Einkauf im Supermarkt

Verbraucher greifen einer neuen Studie zufolge am liebsten zu Produktverpackungen aus Papier und Recyclingkunststoff. Dafür sind sie auch bereit, mehr zu bezahlen. Im Idealfall wollen Verbraucher gar keine Verpackung.

Am liebsten unverpackt


Verbraucherinnen und Verbraucher sind bereit, mehr Geld für Lebensmittelverpackungen zu bezahlen, die sie selbst als nachhaltig empfinden. Das zeigt eine neue Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). In der Studie konnten die Befragten zwischen verschiedenen Produktalternativen mit unterschiedlichen Verpackungen wählen, die sich auch im Preis unterschieden. Zusätzlich sollten sie eine Rangfolge für Verpackungsmaterialien nach ihrer Nachhaltigkeit erstellen.

Besonders beliebt waren unverpackte Lebensmittel, insbesondere bei Obst und Gemüse. Auch zu Recyclingplastik- und Papierverpackungen greifen Verbraucher gerne. Konventionelles Plastik und auch Bioplastik schneiden dagegen schlecht ab.

„Die von uns befragten Konsumentinnen und Konsumenten zeigten sich durchaus bereit, mehr Geld für Alternativen zu konventionellen Plastikverpackungen auszugeben, wenn sie diese als nachhaltiger empfinden. Selbst wenn sie dafür, wie im Falle von unverpackten Lebensmitteln, quasi weniger erhielten“, sagt die Wissenschaftlerin Katharina Sträter.

Verbraucher wollen kein Plastik, auch kein Bioplastik

„Bislang gingen viele Unternehmen davon aus, dass ihre Kundschaft nicht dazu bereit ist, mehr Geld für nachhaltigere Verpackungen zu zahlen“, ergänzt der Wirtschaftswissenschaftler Sebastian Rhein. „Das können wir zunächst einmal nicht bestätigen. Vielmehr sehen wir: Die Unzufriedenheit mit Plastikverpackungen ist enorm, darin steckt ein großes Potenzial.“

Bioplastik schnitt in der Erhebung sogar besonders schlecht ab, obwohl frühere Studien das Gegenteil gezeigt hatten. Die Befragten gaben an, zu wenig über das Material und seine Eigenschaften zu wissen. „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass hinter dem Begriff Bioplastik eher ein Produkt vermutet wird, das für die Umwelt genauso schlecht ist wie konventionelles Plastik“, so Co-Autor Christoph Herrmann.

Problematisch sei vor allem, dass es bisher keinen generellen Konsens darüber gebe, welches Verpackungsmaterial tatsächlich nachhaltig ist, erklärt Sträter. Hier sehen die Forschenden die Wissenschaft und die Politik in der Verantwortung, Klarheit zu schaffen.

320°/re

Mehr zum Thema
Altpapierhändler kritisieren EU-Entscheidung
„Es ist wichtig, Abfalltrennung als etwas Lustvolles zu inszenieren“
Neues Pfandmodell: Edelstahlbehälter für Kaffee
Zwei Millionen Euro für Lüneburger Nachhaltigkeits-Professor
Alpla eröffnet PET-Recyclinganlage in Rumänien
Voith investiert in Plastikalternative
„Der grüne Schein täuscht“
„Wasserstoff in der Luftfahrt ist knallharter Wettbewerb“
Heraeus-Tochter baut Geschäft mit PET-Recycling aus
Shredder-Schwerfraktion: Chemisches Recycling als Schadstoffsenke?
Wepa bringt Hygienepapier aus recyceltem Karton auf den Markt
Industriepartner entwickeln nachhaltige Automaterialien