Elektromobilität

Stecker statt Zapfhahn: Immer mehr Autokäufer entscheiden sich für ein Elektrofahrzeug. Doch Wirtschaftsforscher mahnen: Nur mit finanzieller Förderung lassen sich die klimapolitischen Ziele im Verkehrssektor nicht erreichen.

Wirtschaftsforscher: E-Auto-Prämie genügt nicht


Kaufprämien haben den Elektroauto-Verkauf in Deutschland deutlich angekurbelt. So wurden im Herbst 2021 monatlich bereits fast 30.000 Elektroautos neu zugelassen. Doch das reicht nicht aus. „Der bisherige Zuwachs bei der Zahl der Elektroautos bleibt weit hinter dem Tempo zurück, das zur Erreichung des im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung festgelegten Ziels von 15 Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen im Jahr 2030 nötig wäre“, heißt es vom Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Dafür braucht es rein rechnerisch Monat für Monat im Durchschnitt rund 130 000 neue Elektro-Pkw. „Der Elektroautomarkt dürfte sich zwar in der Zukunft von sich aus dynamischer entwickeln, aber eine weitere Stärkung der klimapolitischen Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität ist nötig“, sagt Peter Haan, Leiter der DIW-Abteilung Staat.

„Unsere Analyse zeigt, dass Kaufprämien für Elektro-Pkw Wirkung entfalten“, ergänzt Aleksandar Zaklan, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt. „Um die Ziele der schnelleren Marktdurchdringung zu erreichen, ist aber eine Vielzahl weiterer Maßnahmen nötig. Dazu zählen der Abbau umweltschädlicher Subventionen im Verkehrsbereich, strengere Flottengrenzwerte und eine längerfristig höhere CO2-Bepreisung.“

Grafik: picture alliance/dpa-Infografik

Konkret sprechen sich die DIW-Wissenschaftler für ein Maßnahmenbündel aus: Kurz- und mittelfristig müsse ein solches insbesondere für einen beschleunigten Ausbau der Ladeinfrastruktur sorgen. Längerfristig würde eine effektive CO2-Bepreisung von Kraftstoffen verlässliche Anreize zum Kauf von Elektroautos bieten. Außerdem müsse es auch darum gehen, den Kauf von Autos zumindest teilweise durch einen leistungsstarken und zuverlässigen ÖPNV obsolet zu machen. Das wäre sowohl aus sozial- als auch aus klimapolitischer Sicht sinnvoll.

Wichtig sei auch, dass flankierende Maßnahmen, beispielsweise ein Mobilitätsgeld mit Entlastungen vor allem für Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen, zusätzliche Belastungen und negative Verteilungswirkungen ausgleichen. Darüber hinaus sollten das Steuer- und Abgabensystem im Verkehrsbereich stärker auf Umwelt- und Klimaschutz ausgerichtet und ambitioniertere CO2-Flottengrenzwerte verfolgt werden.

320°/dpa/re

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