Neue Ausrichtung

Mercedes und BMW trennen sich von ihrem defizitären Carsharing-Dienst. Neuer Eigentümer wird der Autokonzern Stellantis. Der Konzern setzt vor allem auf Wachstum in deutschen Städten.

Stellantis übernimmt Carsharing von BMW und Mercedes


BMW und Mercedes-Benz verkaufen ihre gemeinsame Carsharing-Tochter Share Now an den französisch-italienischen Autokonzern Stellantis. Eine entsprechende Vereinbarung sei unterzeichnet vereinbart worden, teilten die Unternehmen am Dienstag mit. Zu den Details habe man Stillschweigen vereinbart, die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus.

BMW und Mercedes-Benz begründen den Verkauf damit, dass sie stattdessen ihren gemeinsamen E-Auto-Ladedienst Charge Now und ihre Mobilitäts-App Free Now ausbauen wollen. Free Now arbeitet mit Partnern wie Sixt, Miles oder auch Share Now zusammen und biete den Kunden Zugriff auf 180.000 Fahrzeuge in über 150 Städten sowie E-Scooter, E-Bikes, Chauffeur-Autos und Taxis. Kunden wollten zunehmend aus der ganzen Bandbreite an Mobilitätsangeboten mit einer App den besten Weg von A nach B frei wählen. „Die neue Ausrichtung ermöglicht uns die schnellere Skalierung unserer Aktivitäten und somit in kürzester Zeit weiteres, profitables Wachstum“, sagt BMW-Manager Rainer Feurer.

Beide Plattformen seien zentrale Geschäftsfelder mit hohem Wachstumspotenzial, betonen die Unternehmen. Im vergangenen Jahr habe Free Now die Zahl der Transaktionen fast verdreifacht, im laufenden Jahr würden zehn neue Partner auf der Plattform integriert. Charge Now biete über den Dienstleister DCS Zugang zu 300.000 Ladepunkten in Europa samt kompletter Abrechnung.

Keine reine Stellantis-Flotte

Share Now entstand 2019 durch Zusammenlegung von Daimlers Carsharing car2go mit DriveNow von BMW – ein Jahr, nachdem Sixt seinen 50-Prozent-Anteil an Drive Now für 209 Millionen Euro an den Partner BMW verkauft hatte. Das Gemeinschaftsunternehmen schrieb aber rote Zahlen und zog sich bald aus den USA, London, Brüssel und anderen Städten zurück.

Laut BMW und Mercedes bekommt die Stellantis-Tochter Free2move mit der Übernahme von Share Now nun die Möglichkeit, Carsharing in Europa auszubauen. Mercedes-Benz-Direktor Gero Götzenberger sagte: „Auch wenn sich Mercedes-Benz künftig stärker auf das Kerngeschäft im Luxussegment konzentriert, bleibt Carsharing ein wichtiger Bestandteil der urbanen Mobilität und bei Free Now ein wesentliches Element im Mobilitätsangebot.“

Stellantis verspricht sich von der Übernahme insbesondere ein Wachstum in deutschen Städten. Man gewinne für das eigene, seit 2020 profitable Sharing-Angebot mit bislang 2 Millionen Kunden weitere 3,4 Millionen hinzu, sagte die Free2move-Chefin Brigitte Courtehoux. Man erwarte 2030 mit weltweit 15 Millionen Kunden einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro und 2025 bereits 700 Millionen Euro.

Die Autos von Share Now werde man übernehmen und auch künftig keine reine Stellantis-Flotte anbieten, meinte Courtehoux. Man verfüge zwar über 14 starke Marken, werde aber auch andere Kundenwünsche berücksichtigen. Zu Stellantis gehören unter anderem die Marken Opel, Fiat, Peugeot und Citroën.

320°/re

Mehr zum Thema
Umweltbundesamt: Tempolimit bringt mehr CO2-Einsparung als gedacht
McDonald's startet Mehrwegverpackungssystem
Truck2Train: So soll der kombinierte Güterverkehr gelingen