Circular Fashion Index

Mit Recyclingmaterialien, einer besseren Haltbarkeit oder Mietmodellen kann die Modebranche nachhaltiger werden. Doch solche Angebote sucht man meist vergebens. In puncto Nachhaltigkeit schneidet die Modebranche weiterhin schlecht ab.

Modebranche ist von Kreislaufwirtschaft noch weit entfernt


Die Modeindustrie zeigt weltweit nur wenig Fortschritt beim Thema Nachhaltigkeit. Das ist das Ergebnis des am Donnerstag veröffentlichten „Circular Fashion Index 2022“ der Managementberatung Kearney. Die Branche stehe „immer noch am Anfang eines längeren Weges, der über Recycling, längere Haltbarkeit, Mietmodelle und verbesserte Pflegehinweise reicht“, sagte der Kearney-Handelsexperte Mirko Warschun.

Die Studie hatte 150 globale Marken aus 20 Ländern in den sechs Kategorien Sport und Outdoor, Unterwäsche/Dessous, Luxus, Premium/erschwinglicher Luxus, Massenmarkt und Fast Fashion untersucht. Im Fokus stand dabei die Frage, wie nachhaltig die Unternehmen arbeiten und wie sie im Sinne einer Kreislaufwirtschaft den Lebenszyklus ihrer Produkte verlängern. Die Ergebnisse werden anhand von sieben Kriterien errechnet, die sowohl den Primärmarkt mit neuen Produkten (zum Beispiel Anteil recycelten Materials, Verfügbarkeit von Reparaturdiensten und Pflegehinweisen) als auch den Sekundärmarkt (zum Beispiel Secondhand-Verkauf, Vermietung und Wiederverwendung von gebrauchter Kleidung) bewerten.

Insgesamt schneidet die Branche weiterhin schlecht ab. Auf einer Skala von eins bis zehn lag der Medianwert zur Bewertung der Klimafreundlichkeit der Modeunternehmen bei 2.85. Vor zwei Jahren, als Kearny den ersten Circular Fashion Index vorgelegt hatte, lag der Wert bei 1.6. Die schlechten Ergebnisse zeigen sich allen Bereichen der Kreislaufwirtschaft:

  • Nur 7 Prozent der befragten Unternehmen verwendet in glaubhaftem Maße regelmäßig recycelte Materialien, 54 Prozent nur für einige ausgewählte Artikel und 39 Prozent überhaupt nicht.
  • Umfassende Reparaturdienste werden von nur 5 Prozent (vor allem Luxusmarken) angeboten
  • Secondhand-Verkauf ist ein Angebot von nur 5 Prozent und
  • nur 2 Prozent offerieren Miet- oder Leasingdienste.

Auch bei den Kommunikationsmaßnahmen, die einfach und schnell umzusetzen wären, zeigte sich die Branche der Studie zufolge überraschend zurückhaltend: 44 Prozent verzichteten ganz auf Kommunikation zu Nachhaltigkeit und 40 Prozent machten bei den Pflegehinweisen gerade mal die Mindestangaben an.

North Face punktet mit Recyclinganteil

Die höchste Punktzahl erreichen in der Studie Luxus- und Premiummarken aufgrund ihrer ausführlichen Pflegeanleitungen und Reparaturleistungen. Fast Fashion und Unterwäsche/Lingerie hatten die niedrigsten Werte, denn hier seien Secondhand- oder Mietservices schwieriger umzusetzen.

Vorreiter sind wie bereits vor zwei Jahren die Unternehmen Patagonia, Levi’s und The North Face mit Werten von 8.50, 8.20 bzw. 8.05. Die drei konnten sich sogar noch verbessern: Patagonia durch die neue Ausrüstung seines Mietprogramms und eines erhöhten Recyclinganteils, Levi’s durch Einführung des Labels Ganni zum Mieten von Jeans und North Face dank eines erhöhten Recylinganteils.

Starke Verbesserungen verzeichnen Esprit, von Platz acht auf Platz vier aufgestiegen, das italienische Label OVS, von ehemals Platz 17 auf fünf vorgerückt, wie auch Gucci (von Platz 15 auf sechs) und Gant (von Platz 16 auf sieben). Die stärksten Neuzugänge sind die Luxusmarke Coach (Platz 8) und die Leichtathletikmarke Lululemon (Platz 9).

Interessant sind auch die regionalen Vergleiche: Die Mehrheit der untersuchten Marken (75 Prozent) stammen aus Deutschland, Frankreich, Italien und den USA. Obwohl Frankreich keine Marken in den Top 10 hat, erzielt es mit 3.65 die höchste Punktzahl, gefolgt von Italien mit 2.95, das zwei Marken (OVS und Gucci) in den Top Ten hat. Deutschland liegt auf dem dritten Platz und zeigt ein gemischtes Bild: Esprit und adidas liegen im obersten Quartil, Hugo Boss im zweiten Quartil, doch einige Marken mit schlechter Leistung ziehen die Gesamtpunktzahl nach unten.


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320°/dpa/re

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