Biomethan-Aufbereitung

Flüssiggas statt Biomethan: Die Suche nach Alternativen zu russischem Erdgas lässt den Bedarf an LNG steigen. Darauf reagiert jetzt auch der Biokraftstoffhersteller Verbio. Er rüstet seine Biomethanproduktion aus Reststoffen um.

Verbio steigt in LNG-Markt ein


Ab kommendem Jahr will Verbio am Standort Zörbig (Sachsen-Anhalt) nicht mehr Biomethan herstellen, sondern Flüssiggas. Der Biokraftstoffhersteller plant dafür den Bau einer Gasreinigungsanlage, um damit Biomethan aufzubereiten und zu verflüssigen.

„Besonders im Lkw-Güterverkehr ist Biomethan mittelfristig die einzige verfügbare klimafreundliche Alternative zum Diesel“, sagt Oliver Lüdtke, technischer Vorstand bei Verbio. Die Firma betreibt in Zörbig seit 2011 eine Biomethanproduktion. Das erneuerbare Gas wird ausschließlich aus Reststoffen hergestellt und als Biokraftstoff für Erdgas-Fahrzeuge eingesetzt. Damit lässt sich der CO2-Ausstoß gegenüber Diesel und Benzin um 90 Prozent reduzieren. Erdgas ist in der Regel für den Antrieb von Pkw, Lkw und Bussen im ÖPNV geeignet.

Mit der Umrüstung des Standorts soll Biomethan verflüssigt und als BioLNG angeboten werden. Davon verspricht sich Verbio ein „großes Potenzial“ im Bereich der schweren Lkw für den Güterfernverkehr. „Da das zum Einsatz kommende Biomethan bereits die erforderliche Erdgasnetz-Qualität besitzt, muss zur Aufbereitung für den Kraftstoffmarkt entsprechend weniger CO2 aus dem Volumenstrom entfernt werden“, erklärt das Unternehmen. „So kann die CO2-Polishing-Anlage von HZI trotz geringerer Dimensionierung die Volumenströme erhöhen und den Durchsatz steigern.“ Den Auftrag für den Bau der Gasreinigungsanlage hat Verbio an Hitachi Zosen Inova vergeben.

„Wir sind das Entsorgungsunternehmen für minderwertiges Getreide“

Kritisch hat sich Verbio am Montag zur Absicht von Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) geäußert, die Nutzung von Agrarprodukten zur Herstellung von Biosprit zu beschränken. Die Flächen sollen nach Lemkes Willen genutzt werden, um Lebensmittel anzubauen. Dazu berät sie sich derzeit mit Agrarminister Cem Özdemir (Grüne).

„Ohne Biokraftstoffe verfehlen wir Versorgungssicherheit- und Klimaschutzziele in Deutschland, aber wir beenden nicht den Hunger in der Welt“, sagte Verbio-Chef Claus Sauter am Montag bei einer Pressekonferenz. „Die Welt wird nicht verhungern, weil es in der Ukraine einen Krieg gibt“, sagte Sauter. Es gebe genügend Getreide weltweit, nur gut ein Viertel des produzierten Getreides lande direkt auf dem Teller. Ein Großteil werde als Futtermittel für Tiere eingesetzt.

Am Verbio-Standort auf dem Gelände der PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt werde unter anderem Roggen verarbeitet, der gar keine Lebensmittel-Qualität habe. „Wir sind eigentlich das Entsorgungsunternehmen für minderwertiges Getreide“, sagte Sauter. Auch in diesem Jahr werde auf den Feldern rund um Schwedt Roggen wachsen, aber angesichts der Trockenheit sinke mit jedem Tag die Wahrscheinlichkeit, dass dieser als Brotroggen in Betracht komme. Generell setze Verbio kein Brotgetreide ein, weil dieses viel zu teuer sei.

Verbio mit Sitz in Zörbig beschäftigt 820 Mitarbeiter und ist in Europa, Nordamerika und Indien aktiv. Im Geschäftsjahr 2020/2021 (30. Juni) hatte Verbio ein Rekordergebnis erzielt. Das Ebitda lag bei 166,3 Millionen Euro und der Umsatz erstmals über einer Milliarde Euro.

320°/re

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