Kostenexplosion

Lieferkettenprobleme und hohe Energie- und Rohstoffpreise sorgen für deutlich eingetrübte Geschäftserwartungen in der deutschen Wirtschaft. Die Kostenexplosion werden auch Firmenkunden zu spüren bekommen. Sie müssen sich auf höhere Rechnungen einstellen.

Drei Viertel der Unternehmen stellen höhere Kosten in Rechnung


Ein Großteil der deutschen Unternehmen reicht die Kostensteigerungen in Folge höherer Energie- und Rohstoffpreise an Kunden weiter. Das zeigt eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Demnach haben etwa drei Viertel der Unternehmen angegeben, Preise in Zukunft erhöhen zu wollen oder dies bereits getan zu haben, teilte der DIHK am Dienstag bei der Vorlage seiner Konjunkturumfrage mit. 15 Prozent könnten ihre Kostensteigerungen nicht an die Kunden weitergeben, sechs Prozent hätten sich noch nicht entschieden, hieß es auf Basis einer Umfrage unter rund 25.000 Unternehmen aus allen Branchen.

Die Geschäftserwartungen sind angesichts des russischen Überfalls auf die Ukraine und des harten Lockdowns in China in nahezu allen Bereichen, vor allem in den energieintensiven Industriezweigen, eingebrochen. Über alle Branchen hinweg blicke nur noch knapp ein Fünftel der Unternehmen (19 Prozent) optimistisch auf die nächsten zwölf Monate, so der DIHK. Ein Drittel gehe von schlechteren Geschäften aus.

Die steigenden Energiekosten trüben auch den Ausblick der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie ein. „Vom erhofften Aufschwung nach dem Corona-Winter ist nichts mehr übrig geblieben“, sagte VCI-Präsident Christian Kullmann in Frankfurt. Die Perspektiven seien wegen steigender Energie- und Rohstoffkosten zunehmend düster. Zudem drosselten Industriekunden wegen gestörter Lieferketten ihre Produktion und bestellten weniger.

Im ersten Quartal kletterten die Umsätze der Chemiebranche im Vergleich zum Vorquartal aufgrund der kräftig gestiegenen Preise um 7,8 Prozent auf 66,3 Milliarden Euro. Die Produktion stieg im Quartalsvergleich nur dank der Pharmaindustrie um 1,3 Prozent, die reine Chemieproduktion verringerte sich hingegen um 1,1 Prozent. Die Chemie- und Pharmabranche hatte 2021 ein Rekordjahr erlebt. Mit der Erholung vom Corona-Krisenjahr 2020 stieg der Umsatz 2021 um 19,2 Prozent auf 227,1 Milliarden Euro.

Der DIHK hatte zuletzt seine Konjunkturprognose erneut nach unten korrigiert. Für das laufende Jahr erwartet er nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,0 bis 1,5 Prozent. Mitte Februar hatte der DIHK 3,0 Prozent vorausgesagt – auch diese Prognose war aber von zuvor 3,6 Prozent nach unten korrigiert worden. 

320°/dpa

Mehr zum Thema
Leichtes Aufatmen in Krisenzeiten – Habeck hebt Konjunkturprognose an
Österreichs Abfallwirtschaft mit guter CO2-Bilanz
Metallschrottpreise festigen sich weiter
Prognose für 2030: Aufkommen an Altbatterien in Europa wird sich mehr als verachtfachen
Deponie Ihlenberg machte 2021 gute Geschäfte
ADAC: Mehr Katalysatoren gestohlen
Normungsroadmap Circular Economy ist fertig
„Abfall soll die Ausnahme werden“
App-Zugang für den Wertstoffhof
EU-Parlament stimmt für strengere Regeln für Abfallexporte
bvse: Weniger Elektroaltgeräte gesammelt
Europas größtes Vorkommen seltener Erden entdeckt