Bauindustrie

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Auch für Rohrleitungslösungen gibt es inzwischen Alternativen zu fossilem Kunststoff. Beispielsweise aus recyceltem Polypropylen. Hersteller können derartige Produkte als zertifiziert nachhaltig vermarkten.

Hochleistungsrohre mit 90 Prozent geringerem CO2-Fußabdruck


Eine moderne Infrastruktur ist ohne Rohre nicht denkbar. Egal, ob es sich um Wärme- oder Energietransport handelt oder um die Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, oder um Sanitär- und Heizungsanlagen. Das Material der Wahl bei diesen Rohrsystemen ist seit Jahrzehnten Kunststoff: Kunststoffrohre rosten und korrodieren nicht, sie sind zäh und dennoch biegsam. Und sie können 100 Jahre und mehr durchhalten.

Inzwischen können das auch erneuerbare und rezyklierte Rohstoffe leisten. Der italienische Rohrhersteller Nupi etwa verwendet seit kurzem recyceltes Polypropylen (PP) des österreichischen Kunststoffherstellers Borealis für seine Rohrleitungslösungen für Sanitär- sowie für Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen.

Die Rohre bestehen laut Borealis aus PP-RCT (Polypropylene Random Crystalline Structure Temperature). Die noch relativ junge Polypropylen-Werkstoffgeneration ist für höhere Druckbelastungen und Temperaturen ausgelegt und weist eine hohe chemische und Korrosionsbeständigkeit auf. Das PP-RCT Material könne auf bestehenden Rohrverarbeitungsanlagen ohne jegliche Modifikationen als Ersatz für fossilbasiertes PP eingesetzt werden, erklärt Borealis. Für Nupi und seine Endnutzer bedeute dies, dass sie keine erneute Genehmigung durch die Wasserbehörden einholen müssten.

Bis zu 90 Prozent weniger CO2-Emissionen

Auch der finnische Rohrhersteller Uponor setzt Kunststoffe aus dem sogenannten Bornewables-Sortiment von Borealis ein. Neben Abwasserrohren, die zu mehr als 50 Prozent aus dem erneuerbaren Material bestehen, hat Uponor nun auch Rohre für Kalt- und Heißwasseranwendungen im Portfolio, die den Angaben zufolge zu 100 Prozent auf erneuerbaren Rohstoffen basieren.

Für die Rohre aus vernetztem Polyethylen (PE-X) nutzt Uponor demzufolge Bornewables-Polyethylen (PE). Im Vergleich zu herkömmlichen, auf fossilen Rohstoffen basierenden PE-X-Rohren würden die neuen Rohre eine um bis zu 90 Prozent geringere CO2-Bilanz ausweisen.

Wie es heißt, beruht diese Angabe auf Berechnungen der Umweltproduktdeklaration gemäß den Normen EN15804+A1 für Bauprodukte und Bauleistungen aller Art und dem ISO-Standard 21930 für Nachhaltigkeit im Bauwesen. Die Umweltproduktdeklaration bewertet demnach die Umweltauswirkungen von Produkten anhand einer Lebenszyklusanalyse, deren Daten von einer unabhängigen dritten Partei überprüft werden.

ISSC-Plus dokumentiert erneuerbaren Anteil

Wie Nupi kann auch Uponor seine Rohre als nachhaltig vermarkten, und zwar aufgrund der ISCC PLUS-Zertifizierung des Werkstoffs von Borealis. Diese Akkreditierung basiere auf einer unabhängigen Massenbilanz – einem Chain-of-Custody-Modell, wie Borealis erklärt. Dadurch könne der Anteil an erneuerbaren Rohstoffen in den jeweiligen Rezepturen und den Rohren klar und nachvollziehbar dokumentiert werden.

Laut Borealis können die Bornewables-Produkte in diversen Anwendungen und Branchen eingesetzt werden. Sie sollen sich auch für Verpackungen mit Lebensmittelkontakt, für Hygieneanwendungen und für Anwendungen im Gesundheitswesen eignen. Der Kunststoffhersteller gewinnt die Polyolefin-Produkte vollständig aus Abfall- und Reststoffströmen. Dazu gehören unter anderem Abfälle aus der Holzindustrie und Zellstoffproduktion, Rückstände aus der Lebensmittelverarbeitung sowie aus der Pflanzenölproduktion sowie aus Ölabfällen und -rückständen.

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