Batterieexporte

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Immer mehr E-Auto-Akkus wird ein zweites Leben als Stromspeicher eingehaucht. Viele Akkus werden exportiert und in ärmeren Ländern für Second-Life-Anwendungen genutzt. Macht das Sinn?

„Wir wollen nicht als Mülldeponie missbraucht werden“


Frühere E-Auto-Akkus von Audi versorgen einige Dörfer in Afrika mit Strom –stinkende Dieselgeneratoren braucht es dort nun nicht mehr. Der Autobauer will gemeinsam mit dem Sozialunternehmen Africa GreenTec zeigen, wie Lithium-Ionen-Akkus aus Erprobungsfahrzeugen genutzt werden können, um abgelegene, ländliche Regionen mit Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen. So wie Audi geben mehr und mehr Hersteller ihre gebrauchten aber noch für ein Second Life nutzbaren E-Auto-Akkus in ärmere Länder.

„Derzeit sehen wir einen Trend, gebrauchte Batterien an andere Länder zu ‚spenden‘“, hat auch Johannes Betz vom Öko-Institut festgestellt. Die Wiederverwendung gebrauchter Lithium-Ionen-Batterien könne sicherlich viele Vorteile für die Umwelt bringen, so der Batterieforscher. In Äthiopien etwa bestehe ein hoher Bedarf an Stromspeichern, erklärt Tadesse Amera, Gründer und Geschäftsführer der äthiopischen NGO PAN-Ethiopia. Kleine und mittlere Solarlösungen mit Batteriespeichern spielten in vielen ländlichen Gemeinden eine entscheidende Rolle für saubere Energie.

„Wir benötigen jedoch keine minderwertigen Batterien mit begrenzter Restlebensdauer“, betont Amera. „Wir haben im Jahr 2000 das Basler Übereinkommen zur Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle unterzeichnet und wollen nicht als Mülldeponie für die giftigen Abfälle des Nordens missbraucht werden.“

Vier Mindeststandards für Exporte

Daher sollte der Export von gebrauchten Lithium-Ionen-Batterien für Second-Life-Anwendungen aus Europa in Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen klaren Regeln folgen – und auch besser kontrolliert werden. Das fordern neben den Forschenden des Öko-Instituts und der NGO PAN-Ethiopia noch weitere afrikanische Umweltschutz- und Menschenrechts-Organisationen. Die Fehler, die beim Export alter Computer gemacht wurden, dürften sich nicht wiederholen, heißt es. Denn genau wie IT-Geräte enthalten Batterien zahlreiche gefährliche Stoffe, die am Ende des Produktlebenszyklus zum Problem werden können. Nötig seien daher vier Mindeststandards für den Export von früheren Lithium-Ionen-Akkus aus Elektrofahrzeugen, so das Öko-Institut:

  • Die Altbatterien müssten qualitativ gleichwertig mit den Batterien sein, die in den Zielländern üblich sind. Generell sollten nur hochwertige Batterien, die noch mindestens 80 Prozent ihrer ursprünglichen Energiespeicherkapazität aufweisen würden, exportiert oder gespendet werden können – nachgewiesen durch Tests unter realen Bedingungen.
  • Ist diese Anforderung erfüllt, sollten die Altbatterien aus Europa zudem einen Preisvorteil für die Akteure im Empfängerland bieten.
  • Die Batterien sollten den internationalen Verfahren für den Handel mit gebrauchten Waren entsprechen. So müsse beispielsweise vor dem Versand gebrauchter Batterien deren volle Funktionsfähigkeit nachgewiesen werden.
  • Alle Akteure, die Batterien in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf den Markt bringen, sollten verpflichtet werden, entsprechende Mengen im selben Land zu sammeln und fachgerecht zu recyceln. Egal, ob es sich bei den Batterien um gebrauchte oder um neue handele. Vorbild seien die Systeme der erweiterten Herstellerverantwortung in den EU-Ländern.

Die Batterieexperten des Öko-Instituts fordern darüber hinaus auch, eine Rücknahmelogistik und Recyclingstruktur vor Ort in Afrika aufzubauen. Dazu müssten inländische Rücknahmesysteme eingerichtet sowie spezielle Wiederverwendungs- und umweltverträgliche Recyclingzentren für Batterien aus dem heimischen Gebrauch geschaffen werden.

Da es dies bislang kaum gibt, braucht es vielfach Übergangslösungen. Im Falle der Partnerschaft zwischen Audi und Africa GreenTec sieht diese so aus: Die Akkupakete werden nach dem Einsatz an Audi zurückgegeben. Der Autobauer veranlasst dann das Recycling der Batterien.

320°/mk

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