Lebensmittelverpackung

Eine Mindesteinsatzquote für Rezyklate für Lebensmittelverpackungen? Klingt gut, ist aber aus Sicht des Entsorgerverbands bvse mit Vorsicht zu genießen. Auch deshalb, weil damit das chemische Recycling gefördert werden könnte.

bvse: Rezyklat­einsatzquoten ja, aber nicht produktbezogen


Eine Empfehlung des britischen Beratungsunternehmens Eunomia beunruhigt derzeit Teile der Entsorgungswirtschaft. Eunomia hatte im Auftrag der EU-Kommission Vorschläge dafür erarbeitet, wie Rezyklatquoten für Lebensmittelverpackungen eingeführt werden könnten. Konkret hält das Beratungsunternehmen eine Rezyklatquote von 25 Prozent für machbar.

Der bvse sieht das kritisch. Denn bislang erfüllen nur PET-Rezyklate die europäischen Vorgaben der lebensmittelrechtlichen Zulassung. Bei Polyolefinen ist der Einsatz von Rezyklaten im direkten Lebensmittelkontakt oder für sensitive Verpackungen nicht möglich.

Der Verband befürchtet daher, dass für die Erfüllung der Quoten vermehrt PET eingesetzt würde oder aber PPK-Verbunde, die sich in der Praxis nur schwer recyceln lassen. Doch so viel PET stehe auf absehbarer Zeit gar nicht zur Verfügung.

Hinzu kommt noch eine weitere Sorge, die den Verband umtreibt. Da eine Rezyklatquote von 25 Prozent, wie von Eunomia vorgeschlagen, schwierig zu erfüllen sei, befürchtet der bvse, dass dem chemischen Recycling über die Hintertür der Weg geebnet werden könnte. Die Verfechter des chemischen Recyclings würden mithilfe der produktbezogenen Quoten versuchen, ihre noch lange nicht ausgereiften oder industriell einsatzfähigen Verfahren „zu pushen.“

Produktbezogene Rezyklateinsatzquoten seien daher eine zu „enge Lösung“, die durch das werkstoffliche Recycling nur schwer umsetzbar seien, meint der bvse. „Wenn man zeitnah zu wirtschaftlich und ökologisch sinnvollen Lösungen kommen will, sollte daher nicht auf die Karte ‚produktbezogene Einsatzquote‘ gesetzt, sondern das Modell der polymerspezifischen Einsatzquoten als ‚weite Lösung‘ umgesetzt werden, die nicht nur im Verpackungsbereich, sondern in allen Kunststoffprodukten zur Anwendung kommen“, erklärt Vizepräsident Herbert Snell. Diese Quoten könnten nach einer Erprobungsphase Schritt für Schritt angehoben werden.

320°/re

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