Marktbericht

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Schon seit Monaten zeigen die Altpapierpreise in Deutschland nach oben. Und auch der Juni gibt neuen Auftrieb. Vor allem sortierte Deinkingware lief gut.

Altpapierpreise ziehen weiter an


Die durchschnittlichen Preise für die gängigen Altpapiersorten in Deutschland zeigten im Juni weiter nach oben. Wie aus der Preiserhebung des Marktforschungsinstituts FOEX hervorgeht, erlöste sortiertes gemischtes Altpapier (1.02) im Juni durchschnittlich 218,88 Euro je Tonne frei Werk. Im Mai lag der Preis bei 200,46 Euro.

Ähnlich verlief die Preisentwicklung für Kaufhausaltpapier (1.04). Laut FOEX lag der durchschnittliche Erlöspreis im Juni bei 237,20 Euro frei Werk. Im Mai betrug der durchschnittliche Preis 221,26. Für sortierte Deinkingware (1.11) stieg der Durchschnittspreis ebenfalls: Eine Tonne erlöste im Juni 278.44 Euro frei Werk – 23,20 Euro mehr als im Mai.

Marktteilnehmern zufolge war die Entwicklung hauptsächlich auf den unstillbaren Appetit einiger Papierfabriken auf sortierte Deinkingware zurückzuführen. Dieser veranlasste manche, sowohl den heimischen als auch benachbarte Märkte zu plündern, was auch dort die Preise in die Höhe trieb. „Den zweiten Monat in Folge sind die Deinking-Preise im Juni um bis zu 30 Euro/Tonne gestiegen. Dies war auf geringe Sammelmengen und eine starke Nachfrage aus Deutschland zurückzuführen“, stellte ein Händler in Frankreich fest.

Marktteilnehmer in Deutschland bestätigten die Information. „Die Altpapierpreise in Deutschland sind wieder stark gestiegen, mit spürbaren Folgen für die umliegenden Länder“, kommentierte einer von ihnen. Andere teilten diese Ansicht und sagten, dass die Preise für sortiertes gemischtes Altpapier und sortierte Deinkingware im Juni um mindestens 15-25 Euro/Tonne gestiegen seien.

„Der deutsche Markt wirkt wie ein Dynamo für die Nachbarländer, und Käufer, die nicht mitspielen können oder wollen, werden schnell abgehängt“, so ein Branchenvertreter. Dies habe im Juni insbesondere für sortierte Deinkingware gegolten. „Es ist ein Dilemma, die Preise sind viel zu hoch, aber wir brauchen diese Mengen wirklich und müssen in den sauren Apfel beißen, da die verfügbaren Mengen sehr begrenzt sind“, fügte er hinzu.

Laut mehreren Händlern war die Versorgungsknappheit im Deinking-Sektor vor allem auf dramatisch niedrige Sammelmengen zurückzuführen. „Da die Hauptferienzeit vor der Tür steht, ist es unwahrscheinlich, dass sich die Mengen in absehbarer Zeit erholen. Normalerweise tun sie das nicht vor der zweiten Septemberhälfte“, bemerkte einer von ihnen. Andere sagten, es sei nicht zu erwarteten, dass das Deinking-Aufkommen überhaupt wieder auf das alte Niveau zurückkehren werde.


Gemeinschaftsproduktion von FOEX und RISI:

Der Marktbericht für Altpapier in Deutschland ist eine Kooperation zwischen RISI/PPI Europe und FOEX. Während FOEX für die Preiserhebungen zuständig ist, schreibt RISI die Kommentare zur Marktentwicklung. RISI publiziert unter anderem das wöchentlich erscheinende „PPI Europe“ mit Papiermarktberichten und Papierpreisen.

FOEX Indexes ist ein unabhängiges finnisches Unternehmen, das zertifizierte, markengeschützte Preis-Indices für Zellstoff, Papier, Altpapier und Biomasse erstellt. Im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen von der Axio Data Group übernommen, zu der auch der Informationsdienst RISI gehört.

Nach Angaben von FOEX basieren die erhobenen Altpapierpreise ausschließlich auf den Preisen am deutschen Markt und decken mindestens die Hälfte des Marktes ab. Die Käufer (Papierwerke) und Verkäufer (Händler, Sammler, Abfallunternehmen) seien bei der Preiserhebung nahezu gleichberechtigt vertreten. Der Marktbericht und die Altpapierpreise werden zu Beginn eines Monats für den abgelaufenen Monat veröffentlicht.

320°/RISI/FOEX

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