Mögliche Gasrationierung

Die Furcht vor einer eingeschränkten Gasversorgung ist groß in der Industrie – auch in der Recyclingwirtschaft. Der Entsorgerverband BDE wirbt für eine bevorzugte Behandlung. Sonst würden weniger Abfälle verwertet.

BDE warnt vor „Bärendienst für Klimaschutz“


Der Entsorgerverband BDE warnt vor negativen Folgen für den Klimaschutz, falls die Recyclingindustrie unter eine Rationierung der Gasversorgung fallen sollte. Sollten die Recyclinganlagen nicht mehr genug Gas bekommen, würden weniger Abfälle verwertet, sagte BDE-Präsident Peter Kurth der Deutschen Presse-Agentur. „Sollte also das Recycling wegen Gasknappheit gesenkt werden müssen, wäre das ein Bärendienst für den Klimaschutz.“

Die Hersteller von Aluminium, Glas, Papier und Plastik würden sich dann vor allem im Ausland mit neuen Vorprodukten eindecken, betonte der Branchenvertreter. „Das Klima würde mit zusätzlichem Kohlenstoffdioxid belastet, und die Preise für die Verbraucher würden steigen“, sagte Kurth.

Derzeit spare der Einsatz der Rezyklate pro Jahr 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) in Deutschland. Das sei etwa so viel wie der Beitrag der deutschen Windenergie zum Klimaschutz. „Die Kreislaufwirtschaft, in der aus Abfall Rohstoffe gewonnen und wieder zurückgeführt werden in die Produktion, ist für Deutschland als Industriestandort und für den Klimaschutz unverzichtbar“, sagte Kurth.


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In Deutschland hergestelltes Glas besteht laut BDE zu mehr als 80 Prozent aus Rezyklaten, also eingeschmolzenen Glasscherben. Bei Kupfer und Aluminium liegen die Anteile dem BDE zufolge bei 40 bis 50 Prozent. Andere Teile der Entsorgungswirtschaft sind ebenfalls auf Gas angewiesen. So nutzen Abfallverbrennungsanlagen Gas zur sogenannten Stützfeuerung, damit Restmüll gut brennt.

„Wir arbeiten als Branche mit Hochdruck daran, die Gasnutzung in Müllkraftwerken zu mindern und durch andere Brennstoffe zu ersetzen, aber das dauert“, sagte Kurth. Man brauche eine sehr hohe Temperatur, damit auch wirklich alle Schadstoffe verbrannt werden. „Für so eine hohe Temperatur spielt Gas derzeit noch eine relevante Rolle.“

Angesichts stark gedrosselter Lieferungen aus Russland ist Gas zu einem knappen Gut geworden. Ob und wann es eine Gasmangellage geben wird, ist noch nicht klar. Dies hängt auch davon ab, wie viel russisches Gas in den nächsten Monaten nach Deutschland strömt und wie stark die Industrie und Verbraucher Energie sparen.

Sollte es zu einer Gasmangellage kommen, würde die Bundesnetzagentur Rationierungen von Gaslieferungen an die Industrie vornehmen. Mit Blick auf diese Möglichkeit haben sich neben dem BDE bereits andere Industrieverbände geäußert und die Dringlichkeit einer stabilen Energieversorgung in ihren Wirtschaftszweigen betont.

320°/dpa/re

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