Konjunktur

Die Stimmung in der Wirtschaft ist so schlecht wie lange nicht mehr. Voraussichtlich wird die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal sinken. Inzwischen ist auch der Höhenflug am Bau gestoppt.

Ifo-Geschäftsklima fällt auf tiefsten Stand seit über zwei Jahren


Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im August den dritten Monat in Folge eingetrübt. Sie ist so schlecht wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Das Ifo-Geschäftsklima fiel im Monatsvergleich um 0,2 Punkte auf 88,5 Zähler, wie das Ifo-Institut am Donnerstag in München mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit Juni 2020.

„Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist schlecht“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest die Daten. Er sprach von einer hohen Unsicherheit unter den Unternehmen. Nach Einschätzung von Fuest dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung im dritten Quartal schrumpfen.

Im Detail verschlechterte sich das Geschäftsklima im Bereich Handel deutlich. In der Industrie hielt sich der entsprechende Unterindikator im August stabil, während er sich für die Bauwirtschaft etwas verbesserte.

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Chefvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank verweist auf die Materialengpässe in der deutschen Wirtschaft, die sich seiner Einschätzung nach zuletzt entspannt haben. Dies haben den Ifo-Index etwas stabilisieren können. Dennoch geht der Ökonom in den kommenden Monaten fest von einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung aus.

Auch nach Einschätzung von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, steht die deutsche Wirtschaft vor einer Rezession. Er verwies auf die stark gestiegenen Strom- und Gaspreise, die für Konsumenten und Unternehmer gleichermaßen eine Belastung darstellen. „Wie lange die wirtschaftliche Kontraktion anhält, dürfte entscheidend von der weiteren Entwicklung an den Energiemärkten abhängen“, so der Experte.

Auftragsflaute am Bau

Der Höhenflug am Bau ist gleichwohl durch hohe Materialpreise, steigende Zinsen sowie wirtschaftliche Unsicherheiten gestoppt worden. Im deutschen Bauhauptgewerbe gehen die realen Umsätze und Aufträge zurück, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag berichtete. Unter diesen Bedingungen könnten längst nicht so viele Wohnungen gebaut werden wie benötigt, warnen die Verbände der Bauindustrie und des Baugewerbes.

Preisbereinigt kamen im Juni laut Statistik 5,5 Prozent weniger Aufträge herein als einen Monat zuvor. Zum Vorjahresmonat bedeutete das sogar einen Rückgang um 11,2 Prozent. Nur die stark gestiegenen Preise für Bauleistungen sorgten noch dafür, dass die Aufträge nominal 4,1 Prozent höher ausfielen als vor einem Jahr. Im Halbjahr ging der Auftragswert real um 3,5 Prozent zurück.

Besonders hart getroffen ist der Wohnungsbau. Private Bauherren müssten neben hohen Baukosten und steigenden Zinsen noch die steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten stemmen, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Tim-Oliver Müller.

„Da entscheiden sich derzeit doch einige gegen den Hausbau. Aber auch bei institutionellen Investoren werden etliche Wohnungsbauprojekte auf den Prüfstand gestellt und erst einmal verschoben. Eine Entspannung für den angespannten Wohnungsmarkt wird es so nicht geben.“ Inzwischen sei auch der Hochbau im Auftrag von Unternehmen rückläufig.

Der Baugewerbeverband ZDB nennt zusätzlich die unklaren Förderregeln als Investitionshemmnis. „Mehr und mehr Projekte werden infrage gestellt. Zu den ausbleibenden Aufträgen kommen Stornierungen hinzu“, schildert Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa die Lage. Man werde in den kommenden Monaten noch deutliche Einschläge sehen.

320°/dpa/re

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