Warm und trocken

Viel Sonne, heiß und sehr trocken: Der Deutsche Wetterdienst hat seine Bilanz für den Sommer 2022 vorgestellt. Sommer wie in diesem Jahr könnten die Regel werden.

Sommer 2022: So viel Sonne wie noch nie


 Auch der Sommer 2022 ist heiß und trocken ausgefallen. Nach vorläufigen Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes war es der sonnenreichste seit Beginn der Aufzeichnung. „Wir dürften damit in Zeiten des Klimawandels einen bald typischen Sommer erlebt haben“, sagte Meteorologe Uwe Kirsche am Dienstag in Offenbach.

Konkret zählt der diesjährige Sommer zu den vier wärmsten der vergangenen mehr als 140 Jahre. Außerdem ist er der sechstrockenste Sommer in diesem Zeitraum. Der DWD erfasst die Sonnenscheindauer seit 1951, Temperaturen und Niederschläge werden seit 1881 aufgezeichnet.

  • Hitze

„Aus dem Stand brachte bereits der Juni den Sommer auf Hochtouren“, heißt es beim Wetterdienst. Das sei bis August so geblieben. Der deutschlandweite Höchstwert wurde am 20. Juli mit 40,1 Grad in Hamburg gemessen. Die durchschnittliche Temperatur lag laut vorläufiger Sommer-Bilanz bei 19,2 Grad.

So heiß war es zuletzt im Sommer 2019 – mit einem Temperaturdurchschnitt von ebenfalls 19,2 Grad. Nur die Sommer 2003 (19,7 Grad) und 2018 (19,3 Grad) waren noch wärmer. Allein auf Durchschnittswerte zu schauen, sei allerdings nicht besonders aufschlussreich, sagt Andreas Marx, Leiter des Deutschen Dürremonitors am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. „Dieser Sommer ist wohl stärker von Hitze geprägt als 2003.“ So nähmen die Anzahl der heißen Tage und die Intensität von Hitzewellen zu.

  • Trockenheit

Die Trockenheit machte sich in diesem Sommer vielerorts deutlich bemerkbar. Zum Erscheinungsbild zählten Rekord-Tiefstände in Flüssen, ausgetrocknete Felder, verdorrte Wiesen und Waldbrände. Mit einem Niederschlag von rund 145 Litern pro Quadratmeter war es der sechsttrockenste Sommer seit 1881. Demnach fielen knapp 40 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990.

Regional gab es starke Unterschiede: Während das Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen laut DWD eine „historische Sommerdürre“ meldeten, fielen an den Alpen mehr als 500 Liter pro Quadratmeter.

In der Landwirtschaft habe sich die Trockenheit bei den Sommerkulturen wie Mais oder Zuckerrüben gezeigt, sagte Marx. „Die Dürre ist aber nicht erst ein Problem dieses Sommers, wir haben seit vier Jahren zu trockene Böden.“ Hinzu kommt die Waldbrandgefahr: Laut DWD war die Anzahl der Tage mit einem hohen bis sehr hohen Waldbrandgefahrenindex im Deutschlandmittel in diesem Sommer ähnlich hoch wie im Jahr 2018.

  • Sonnenschein

So viel Sonne gab es noch nie seit Erfassung der meteorologischen Daten. Im Juni, Juli und August kommt der DWD auf bundesweit fast 820 Sonnenstunden. Das ist deutlich mehr als der bisherige Rekord im Sommer 2003 mit 793,3 Stunden.

„Demnach ist es der sonnigste Sommer, seitdem die Sonnenscheindauer aufgezeichnet wird, also seit über 70 Jahren“, sagte DWD-Meteorologe Andreas Friedrich. Am Oberrhein schien die Sonne in den letzten drei Monaten sogar fast 1.000 Stunden, im äußersten Norden waren es immerhin um die 700 Stunden.

„Der Sommer 2022 ist erneut ein Warnzeichen dafür, dass extremere Sommer bereits zur Regel geworden sind“, erklärt Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Sie seien gekennzeichnet durch häufigere Hitzewellen und anhaltende Phasen ohne flächendeckenden Regen. „Natürlich gibt es von Jahr zu Jahr und von Ort zu Ort Schwankungen. Aber grundsätzlich ist auch in den kommenden Jahren leider keine Entspannung zu erwarten.“

Und wie sind die Aussichten auf den Herbst? Auf Basis seines Jahreszeitentrends rechnet der DWD damit, dass auch der Herbst etwas trockener wird als im Durchschnitt der letzten 30 Jahre und dass er etwa ein Grad wärmer ausfällt als in den letzten Jahren. Meteorologe Friedrich sagt: „Bei der Dürre, der Trockenheit und den Niedrig-Pegelständen kann man noch keine Entwarnung geben, das kann sich noch in den Herbst hineinziehen.“

320°/dpa

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