Hohe Energiepreise

Die explodierenden Energiepreise bringen auch die Hersteller von Kunststoffverpackungen in Bedrängnis. Jeder Fünfte bezeichnet die Kostensteigerungen als existenzgefährdend. Für das kommende Jahr ist mit Produktionseinschränkungen zu rechnen.

Hersteller von Kunststoff­verpackungen sorgen sich um Produktion


Noch können die Hersteller die explodierenden Energiepreise einigermaßen wegstecken, viele konnten die Kostensteigerungen an die Kunden weitergeben, doch im kommenden Jahr könnte auch die Produktion leiden. Inzwischen rechnet die Hälfte der Mitgliedsunternehmen der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen mit negativen Auswirkungen auf die Produktion in Deutschland für 2023. Laut einer Verbandsumfrage hätte ein Erdgas-Lieferstopp für zwei von drei Unternehmen negative Auswirkungen auf die Produktion – für knapp ein Drittel sogar erhebliche Folgen.

Seit Jahresbeginn hätten sich die Stromkosten für die Mitgliedsunternehmen im Durchschnitt verdoppelt, erklärt die Industrievereinigung. Viele Unternehmen müssten sogar einen um 300, 500 und bis zu 750 Prozent höheren Strompreis als zu Jahresbeginn zahlen. Für Erdgas zahlten Unternehmen an der Spitze bis zu 625 Prozent höhere Preise.

Für das kommende Jahr sieht die Lage noch dramatischer aus: Für 2023 erwarten die Unternehmen durchschnittliche Strompreissteigerungen von 240 Prozent, im Einzelfall an der Spitze bis zur 1.200 Prozent. Auch für die Erdgaspreise erwarten die Unternehmen einen durchschnittlichen Anstieg um 250 Prozent, auch hier gehen die höchsten Schätzungen von einem Anstieg im Einzelfall von über 1.000 Prozent aus.

„Nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein“

„Viele energieintensive Unternehmen haben noch keinen Stromkontrakt für 2023“, erklärt IK-Hauptgeschäftsführer Martin Engelmann. „Angesichts einer Verzehnfachung der Preise an der Strombörse ist ein solcher Vertragsabschluss derzeit wirtschaftlich nicht darstellbar, die Unternehmen laufen zwangsläufig in den überhitzten Spotmarkt.“ Aktuell seien die Mitgliedsunternehmen noch nicht in ihrer Produktion und Lieferfähigkeit beeinträchtigt. „Das wird sich aber in den nächsten Monaten ändern, sollten die Energiepreise auf dem Niveau bleiben oder weiter steigen“, warnt Engelmann.

Das Energiekostendämpfungsprogramm der Bundesregierung, das für energieintensive Unternehmen Zuschüsse von 5 Milliarden Euro für den Zeitraum Februar bis September 2022 vorsieht, könne knapp jedes fünfte Unternehmen der Kunststoffverpackungshersteller nutzen. Für 40 Prozent komme es allerdings nicht in Frage.

„Angesichts explodierender Energiepreise sind diese Zuschüsse nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Engelmann. Außerdem seien die Zuschüsse an strenge Voraussetzungen geknüpft, die für viele Unternehmen der Branche nicht zu erfüllen seien. „Problematisch ist insbesondere die Voraussetzung, dass sich die Strom- und Gaskosten im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr mindestens verdoppelt haben müssen. Denn für viele Unternehmen kommt der Preisschock erst im nächsten Jahr“, so Engelmann.

320°/re

Mehr zum Thema
Leichtes Aufatmen in Krisenzeiten – Habeck hebt Konjunkturprognose an
Österreichs Abfallwirtschaft mit guter CO2-Bilanz
Metallschrottpreise festigen sich weiter
US-Plastikrecycler PureCycle will Fuß auf EU-Markt setzen
Prognose für 2030: Aufkommen an Altbatterien in Europa wird sich mehr als verachtfachen
Deponie Ihlenberg machte 2021 gute Geschäfte
ADAC: Mehr Katalysatoren gestohlen
Normungsroadmap Circular Economy ist fertig
Chemisches Recycling: Welche Branchen das größte Interesse zeigen
„Abfall soll die Ausnahme werden“
App-Zugang für den Wertstoffhof
Bottle-to-Bottle Recycling: RCS vervierfacht Kapazitäten