Monitoringbericht

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Das vergangene Jahr war für die Papierindustrie ein gutes. In vielen Bereichen zeigen die Zahlen nach oben. Die Recyclingquote dagegen ist gesunken – auf den niedrigsten Stand seit 2015. Die Zahlen im Überblick.

So sieht die Papierbilanz 2021 in Europa aus


Mehr Papierverbrauch, eine gestiegene Altpapiersammlung und mehr Altpapiereinsatz und dennoch eine rückläufige Recyclingquote: Die europäische Papierindustrie zieht für das vergangene Jahr eine weitgehend gute Bilanz. Wie der aktuelle Monitoring Report 2021 des European Paper Recycling Council (EPRC) zeigt, lag die Recyclingquote im Jahr 2021 bei 71,4 Prozent. Das sind fast zwei Prozentpunkte weniger als noch im Vorjahr und der niedrigste Wert seit 2015.

Dennoch kann die Branche auf überwiegend steigende Zahlen zurückblicken – zumindest was den Papierverkauf und die Sammlung von Altpapier angeht. Beides ist nach dem Coronaknick 2020 wieder deutlich gestiegen. Dass die Recyclingquote dennoch rückläufig ist, liegt daran, dass die Quote aus dem Verhältnis zwischen dem recycelten Altpapier (inklusive Nettohandel von Altpapier) und dem Verbrauch von Papier und Pappe berechnet wird. Steigt der Verbrauch wie im vergangenen Jahr im Verhältnis deutlich stärker als die Sammlung, sinkt folglich die Quote. Die Ergebnisse des vergangenen Jahres im Einzelnen:

  • Papierverbrauch: Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Europa 80 Millionen Tonnen Papier verbraucht– ein Plus gegenüber 2020 um 4,8 Prozent. Erstmals stieg auch seit Jahren die Nachfrage nach grafischen Papieren – sie legte um 2,9 Prozent zu. Verpackungspapiere wurden 9,9 Prozent mehr nachgefragt als noch 2020. Bei Hygienepapieren gab es demnach einen leichten Rückgang.
  • Altpapiersammlung: Mit 57,1 Millionen Tonnen Altpapier wurde 2021 etwa 2 Prozent mehr gesammelt als noch 2020.
  • Altpapiereinsatz: Im vergangenen Jahr wurden in den Papierfabriken 52,4 Millionen Tonnen Altpapier eingesetzt – das sind 5,7 Prozent mehr als 2020. Laut EPRC lag das vor allem am Ausbau von Recyclingkapazitäten.
  • Recyclingquote: Die Recyclingquote ist von 73,3 Prozent im Jahr 2020 auf 71,4 Prozent gesunken. Regional betrachtet lag damit in zehn EU-Ländern die Quote unter 60 Prozent – im Vorjahr war das nur bei acht Ländern der Fall.
  • Faserverwendung: Im Schnitt wird eine Papierfaser in Europa 3,5 Mal verwendet. Der weltweite Durchschnitt liegt laut EPRC bei 2,5 Mal.
  • Altpapierhandel: Ein Nettovolumen von 4,9 Millionen Tonnen Altpapier wurde im vergangenen Jahr von Staaten außerhalb der EU-27 sowie UK, Norwegen und der Schweiz gekauft. Die Nettoexporte sind im Vergleich zu 2020 um 24,7 Prozent zurückgegangen. Die Hauptabnehmerländer waren Indien, die Türkei und Indonesien.

Mit der Recyclingquote von 71,4 Prozent ist die Papierindustrie noch weit von der selbstgesteckten Zielquote von 76 Prozent entfernt. Diese freiwillige Selbstverpflichtung hatte der im Jahr 2000 gegründete EPRC vor wenigen Monaten bekannt gegeben. Dem EPRC gehören zahlreiche Mitglieder entlang der Wertschöpfungskette der europäischen Papierindustrie an. Der jährliche Monitoringbericht soll die Fortschritte bei der Zielerreichung dokumentieren.

Die ambitionierte Quote soll vor allem durch eine Steigerung der Sammelmengen erreicht werden. Unter anderem hat sich dafür die Alliance for Beverage Cartons and the Environment dazu verpflichtet, ab 2030 mindestens 70 Prozent der Getränkekartons zu recyceln. Außerdem sollen neue Quellen für Altpapier erschlossen werden – etwa die Restmülltonne oder die LVP-Sammlung. Dazu zählt auch das Forschungsprojekt EnEWA, bei dem untersucht wird, wie viel Altpapier sich noch aus anderen Abfallströmen herausholen lässt, wie dessen Zusammensetzung ist und wie es erneut in der Papierproduktion eingesetzt werden kann.


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