HydroLiC-Verfahren

Der Batterierecycler Accurec hat eine neue Recyclingtechnologie für Lithium aus der Schwarzen Masse von Batterien entwickelt. Eine erste Großanlage soll in Kürze in Betrieb gehen. Auf die Black Mass haben es inzwischen einige Firmen abgesehen.

Accurec startet mit Lithium-Rückgewinnung aus Altbatterien


Die neue EU-Batterieverordnung ist seit Freitag vergangener Woche in trockenen Tüchern. Damit wird es künftig eine zusätzliche Recyclingquote für das ressourcenkritische Lithium geben: Ab 2026 müssen mindestens 35 Prozent des in Batterien enthaltenen Lithiums zurückgewonnen werden. Der Batterierecycler Accurec will das mit einer neuen Technologie schaffen.

Anfang 2023 wird Accurec dafür seinen Recyclingstandort in Krefeld um eine Rückgewinnungsanlage für Lithium aus Akku-Geräten und Elektromobilität erweitern. Die Anlage soll einen Anfangsdurchsatz von 4.000 Jahrestonnen Altbatterien haben. Damit wären die Krefelder eigenen Angaben zufolge das erste Unternehmen in Europa, das Batterie-Lithium in industriellem Maßstab recycelt.

Bei der eingesetzten Prozesstechnik handelt es sich um das sogenannte HydroLiC-Verfahren. Mit der eigens entwickelten hydrometallurgischen Rückgewinnungstechnologie ist es laut Accurec möglich, Lithium mit etwa 99-prozentiger Reinheit als Carbonat aus den Lithium-Ionen-Akkus von Elektrofahrzeugen, Elektronikgeräten, E-Scootern und E-Bikes zurückzugewinnen. Genauer gesagt, gewinnt der Batterierecycler das Lithium-Carbonat aus der sogenannten Schwarzen Masse zurück.

Im Prozess-Fließschema wird neben Lithium-Carbonat zwar auch ein Nickel-Cobalt-Produkt aufgeführt. Aber offenbar konzentriert sich Accurec im ersten Schritt vor allem auf die Rückgewinnung des Lithiums. „Die anderen in der Schwarzmasse enthaltenen Metalle stehen derzeit noch nicht so sehr im Fokus“, bestätigt Accurec-Sprecherin Beate Kummer gegenüber 320°. Die Rückgewinnung anderer Metalle sei aber ebenfalls anvisiert. In der Schwarzen Masse aus Lithium-Ionen-Altbatterien stecken neben Lithium auch Nickel, Kobalt, Mangan und Graphit.

Autothermes Pyrolyseverfahren ebenfalls Teil der Prozesskette

Das HydroLiC-Verfahren kommt in der Accurec-Recyclingverfahrenskette an letzter Stelle ins Spiel. Im ersten Schritt erfolgt die manuelle Sortierung und Demontage der Lithium-Ionen-Altbatterien. Dabei werden elektrische Bauteile und Stahl zurückgewonnen.

Anschließend kommt die sogenannte DMT-Technologie zum Zuge. Diese dient dazu, die mit den Elektrodenfolien verklebten Funktionsmetalle zu entbinden. In den Folgeschritten könnten diese separat und nahezu verlustfrei weiterverarbeitet werden, erklärt Accurec. Bei dieser Technologie handelt es sich um ein autothermes, sprich ohne Heizenergie betriebenes Pyrolyseverfahren. Vor seiner kürzlichen Umbenennung in „DMT“ war das Verfahren auch als „Mercator-Verfahren“ bekannt.

In den folgenden mechanischen Aufbereitungs- und Sortierungsschritten würden Eisen, Kupfer und Aluminium in verkaufsfähige Metallfraktionen getrennt. Die beim Recycling entstehende pulverförmige Schwarze Masse gehe dann ins HydroLiC-Verfahren.


Mehr zum Thema:


Auf die Schwarze Masse aus Lithium-Ionen-Batterien hat mittlerweile ein regelrechter Run eingesetzt. Auf die darin enthaltenen wertvollen Metalle haben es so einige Firmen abgesehen. Neben Recyclingspezialisten wie dem nordamerikanischen Lithium-Ionen-Batterierecycler Li-Cycle und dem Kupfer- und Metallrecyclingkonzern Aurubis hat die Schwarzmasse mittlerweile auch eigentliche Recyclingbranchen-Outsider in ihren Bann gezogen.

Dazu gehören unter anderem der Chemieriese BASF, der Spezialchemiekonzern Evonik und der kanadische Kobalt-Produzent Electra. Mitspielen will aber auch der finnische Energiekonzern Fortum, der die zuvor nötigen mechanischen Recyclingschritte über sein im September gegründetes Unternehmen Fortum Batterierecycling übernimmt. Das Unternehmen ist in Baden-Württemberg angesiedelt und soll ab Ende dieses Jahres vor allem Lithium-Ionen-Batterien aus Elektrofahrzeugen recyceln.

Die dabei gewonnene schwarze Masse der Batterien wird in der hydrometallurgischen Recyclinganlage von Fortum im finnischen Harjavalta aufbereitet. Aus der schwarzen Masse werden Unternehmensangaben zufolge Lithium, Nickel, Kobalt und Mangan zurückgewonnen. „Unsere einzigartige CO2-arme Komplettlösung zum Batterierecycling ermöglicht es, über 80 Prozent der Batterie zu recyceln“, wie Fortum erklärt. 95 Prozent der Metalle, die in der schwarzen Masse der Batterie enthalten sind, könnten wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden.

Fortum betreibt in Harjavalta derzeit eine Pilotanlage im industriellen Maßstab. Im kommenden Jahr soll die neue hydrometallurgische Anlage in Betrieb gehen. Genauere Angaben zur Kapazität hat Fortum noch nicht bekannt gegeben.

320°/mk

Mehr zum Thema
Migros steigt bei Revendo ein
Mauerstein aus Ziegelmehl und Bauschutt
Studie: Grüne Wasserstoff-Importe könnten 2030 wettbewerbsfähig sein
Pyrum und Polyfuels planen vier Pyrolyseanlagen
Die Finnen sind am nachhaltigsten
Glasrecycling in Disney World
Eigene Batterieproduktion: Europas Pläne geraten ins Wanken
Wasserstoff aus Siedlungsabfall: EU fördert RWE-Projekt
US-Plastikrecycler PureCycle will Fuß auf EU-Markt setzen
Prognose für 2030: Aufkommen an Altbatterien in Europa wird sich mehr als verachtfachen
Normungsroadmap Circular Economy ist fertig
„Erstes klimaneutrales Zementwerk der Welt“