Glasproduktion

Der Glashersteller Schott testet die Verwendung von Wasserstoff in der Produktion. Die Testergebnisse stimmen zuversichtlich. Doch es fehlt an grünem Wasserstoff.

„Eine Veränderung unserer Technologie ist möglich“


Der Mainzer Glasspezialist Schott ist mit den Tests zum Einsatz von Wasserstoff in der Glasherstellung zufrieden. „Die Tests laufen sehr gut und zeigen, dass eine Veränderung unserer Technologie möglich ist“, erklärt Jens Schulte, Mitglied des Schott-Vorstands. Die für das Schmelzen notwendigen hohen Temperaturen würden erreicht. Nun seien Experten dabei, die Qualität der in dem Test geschmolzenen Gläser unter die Lupe zu nehmen.

Schott hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden. Das ist allerdings nicht einfach, weil bei der Herstellung von Spezialglas etwa für Handyschutzhüllen oder Mikrochips Temperaturen bis zu 1.700 Grad gebraucht werden. Erreicht werden diese Temperaturen noch zum großen Teil mithilfe von Erdgas.

Wasserstoffturm bei Schrott: „Industrielle Pionierleistung“ (Foto: Schott)

Die Tests mit Wasserstoff haben im November begonnen und laufen noch bis Ende Dezember. Dabei wird Wasserstoff in großtechnischen Schmelzversuchen am Standort Mainz beigemischt und schrittweise auf einen Wasserstoffanteil von bis zu 35 Volumenprozent hochgefahren. Bislang wird mit grauem Wasserstoff gearbeitet, also Wasserstoff, der als Nebenprodukt in der Chemieindustrie entsteht oder aus fossilen Energieträgern erzeugt wird.

Künftig soll laut Schott verstärkt mit grünem Strom und grünem Wasserstoff gearbeitet werden. Allerdings sei grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien derzeit nicht in ausreichenden Mengen verfügbar, erklärt Schott. Den Wasserstoff für das Projekt liefern die Mainzer Stadtwerke. „Als regionaler Energieversorger haben wir mit dem Energiepark Mainz bereits bewiesen, dass die Produktion von grünem Wasserstoff mithilfe unter anderem von Windstrom im großtechnischen Stil funktioniert“, sagt Daniel Gahr, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Stadtwerke. „Und wir haben gezeigt, dass Wasserstoff in Haushalten und bei Gewerbebetrieben Erdgas zum Teil klimafreundlich ersetzen kann.“ 


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Die Kosten für das Projekt belaufen sich insgesamt auf über 714.000 Euro. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium fördert das Vorhaben mit rund 338.000 Euro im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). 

Schott bezeichnet das Projekt als „industrielle Pionierleistung“. In der Rhein-Main Region hatten die Mainzer Stadtwerke im Herbst 2021 mit dem Hygiene- und Gesundheitsunternehmen Essity ebenfalls ein Projekt gestartet, um eine Papiermaschine mit grünem Wasserstoff CO2-frei zu betreiben.

320°/dpa/re

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