Projekt „MaterialLoop“

Audi will künftig ein Kreislaufwirtschaftskonzept für Altfahrzeuge betreiben. Im Mittelpunkt steht die Versorgung mit Recyclingmaterialien, aber auch die Verbesserung der Recyclingfähigkeit neuer Fahrzeuge. Erste Erfahrungen hat der Autobauer bereits gewonnen.

Recyclingmaterialien: Audi will autarker werden


In ersten Pilotprojekten hat Audi schon Erfahrungen in puncto Kreislaufwirtschaft gesammelt. So kümmert sich der Autobauer seit Frühjahr 2022 um die Wiederaufbereitung von automobilem Altglas. Nicht mehr reparierbare Autoscheiben werden mittels eines innovativen Recyclingprozesses zunächst zerkleinert und sortiert. Das gewonnene Glasgranulat wird eingeschmolzen und zu neuem Flachglas für die Automobilindustrie verarbeitet und bereits in der Produktion des Q4 e-tron eingesetzt.

Daneben gibt es das Projekt PlasticLoop, das Audi gemeinsam mit dem Kunststoffhersteller LyondellBasell betreibt. Im Rahmen dessen werden gemischte automobile Kunststoffabfälle chemisch recycelt und in der Serienproduktion des Audi Q8 e-tron eingesetzt. Zudem wird Aluminium seit 2017 an den Audi Standorten Ingolstadt, Neckarsulm und Győr sowie am Volkswagen Konzern-Standort Bratislava einem Recyclingkreislauf zugeführt. Die Aluminiumblechverschnitte, die im Presswerk anfallen, gehen direkt an den Lieferanten zurück. Dieser recycelt sie wieder zu Aluminiumblechen gleicher Qualität, die Audi anschließend wieder in der Fertigung verwendet.

Einen noch umfassenderen Ansatz verfolgt das Projekt „MaterialLoop“. Gemeinsam mit 15 Partnerunternehmen aus Forschung, Recyclingbranche und Zulieferindustrie prüft Audi den Wiedereinsatz von Post-Consumer-Materialien aus alten Kundenfahrzeugen für die Produktion von Neufahrzeugen. Bislang werden nur wenige Materialien, die für die Fertigung von Neufahrzeugen verbaut werden, aus Altfahrzeugen gewonnen. „Das Projekt MaterialLoop unterstreicht unsere ambitionierte Vision, ein höchst effizientes Kreislaufwirtschaftskonzept für Altfahrzeuge zu betreiben“, sagt Audi-Chef Markus Duesmann. „Unser Ziel ist es, so viele Materialien wie möglich auf einem hohen Qualitätsniveau zurückzugewinnen, um sie in unserer Produktion erneut verwenden zu können.“

„Weniger aus anderen Branchen bedienen“

100 Fahrzeuge, darunter auch ehemalige Erprobungsfahrzeuge, wurden für MaterialLoop im Oktober 2022 demontiert. Durch die gezielte Demontage von einzelnen Komponenten ließen sich bereits hochwertige Sekundärmaterialien wie größere Kunststoffbauteile für das weitere Recycling sichern. Nach der Demontage wurden die verbliebenen Fahrzeugkarossen geschreddert und gemeinsam mit den beteiligten Partnerunternehmen in verschiedene Materialgruppen wie Stahl, Aluminium und Kunststoff separiert.

„Im Projekt fokussieren wir uns auf Kreisläufe innerhalb unserer Industrie, um unsere Produkte und die Materialien, die darin verarbeitet worden sind, so lange wie möglich nutzen zu können“, erklärt Johanna Klewitz, Leiterin Nachhaltigkeit in der Lieferkette. „Unsere Vision ist, uns künftig bei dem Einsatz von Sekundärmaterialien weniger aus anderen Branchen bedienen zu müssen.“


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Das Pilotprojekt läuft noch bis Ende April. Zu den ersten Erkenntnissen zählt, dass sich ein Großteil des im Projekt recycelten Stahls für die Produktion neuer Modelle nutzen lässt. In einem ersten Versuch wurden sechs Stahlcoils mit einem MaterialLoop-Sekundäranteil von etwa 12 Prozent hergestellt, die den Qualitätsanforderungen von Audi entsprechen und sich deshalb auch für anspruchsvollste Strukturteile nutzen lassen. Audi will daraus bis zu 15.000 Türinnenteile für den Audi A4 im Presswerk Ingolstadt herstellen. Untersuchungen im Rahmen des Projekts zeigen, dass der Anteil des aus Fahrzeugen recycelten Stahls am Coil künftig noch weiter erhöht werden könnte.

320°/re

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