Zu hohe Kosten
Ende vergangenen Jahres hatte die deutsche Wirtschaft bereits vor einer schleichenden Deindustrialisierung gewarnt. Nun legt die DIHK nach: Die Zahl der Unternehmen, die ihre Produktion ins Ausland verlagern wollen, sei „sprunghaft“ gestiegen.
„Weckruf“ an Politik: Wirtschaft verlagert Produktion zunehmend ins Ausland
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sieht eine schleichende Verlagerung der Produktion deutscher Industrieunternehmen ins Ausland. Zunehmend geschehe das aus Kostengründen, teilte die DIHK am Donnerstag unter Verweis auf eine Umfrage mit. Von den Industrieunternehmen mit Investitionsplänen im Ausland nannten demnach 32 Prozent Kostenersparnis als Motiv. Das sei ein sprunghafter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, als dies 26 Prozent der Firmen angegeben hatten.
„Fast jedes dritte Unternehmen, das im Ausland investieren will, reagiert damit auf die sich verschlechternde Kostenstruktur in Deutschland“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. „Das sollte ein Weckruf an die Politik sein, die Standortbedingungen in Deutschland zu verbessern“.
„Einen solch hohen Wert hatten wir zuletzt 2008″, fügte Treier hinzu. „Bei den kleineren Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten ist dieser Anteil mit gut einem Drittel fast so hoch wie im Jahr 2004, als Deutschland noch als ‚kranker Mann Europas‘ galt. Deshalb sollten wir diese Zahlen sehr ernst nehmen. Es sind Anzeichen einer schleichenden Produktionsverlagerung.“
Krisen lasten auf Investitionen
Insgesamt gaben die Unternehmen an, dass zu Jahresbeginn 2023 nur noch 41 Prozent der Industriebetriebe im Ausland investieren wollen. Das ist der niedrigste Wert seit 2009 mit damals 40 Prozent. „Den Unternehmen setzen dabei insbesondere der russische Krieg in der Ukraine und die deutlich gestiegenen Energiepreise, aber auch die schwierigen Jahre der Corona-Pandemie sehr zu. Diese aktuellen Krisen haben die Investitionsbudgets insgesamt belastet und wirken sich stark auf die Auslandsinvestitionen aus“, so Treier.
Auch beim Auslandsengagement tun sich vor allem kleinere Unternehmen derzeit schwer. Nur 33 Prozent der Betriebe bis 500 Beschäftigte planen Investitionen außerhalb Deutschlands. Das ist ein neuer Tiefstwert. Besonders stark rückläufig ist die Auslandsaktivität bei Ge- und Verbrauchsgüterherstellern. Von diesen wollen nur noch 33 Prozent (Vorjahr: 38 Prozent) im Ausland investieren – so wenig wie noch nie.
Link zur DIHK-Konjunkturumfrage:



