IK-Umfrage
Nach der Klage von Recyclern über eine rückläufige Rezyklatnachfrage hat die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen bei den Mitgliedsunternehmen nachgefragt. Das Ergebnis: Die Rezyklatnachfrage sei relativ stabil. Aber die wirtschaftliche Lage sei schlecht.
Kunststoffverpackungen: „Rezyklateinsatz ist relativ stabil“
Aus seiner Verärgerung machte der Entsorgerverband bvse Anfang Juni keinen Hehl. „Das jetzt zu beobachtende, kurzfristige Marktverhalten der Kunststoffindustrie, die fast ausschließlich auf Neuware setzt, ist ein Irrweg“, beschwerte sich Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbands Kunststoffrecycling. „Da wird zwar stolz der Start der Initiative Klimaschutz Kunststoffindustrie gefeiert, aber gleichzeitig setzen die Unternehmen der kunststoffverarbeitenden Industrie auf billige Neuware mit großem CO2-Rucksack und pfeifen auf die klimafreundlichen Rezyklate. Das nenne ich scheinheilig und kurzsichtig.“
Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen hat daraufhin den Ball aufgenommen und bei seinen Mitgliedsunternehmen nachgefragt. Das Ergebnis: Der Rezyklateinsatz in Kunststoffverpackungen sei relativ stabil, erklärt der Verband.
„Auf einer Skala von 1 (stark gesunken) bis 100 (stark gestiegen) erreicht der Rezyklateinsatz im Durchschnitt 48 Punkte“, erklärt Hauptgeschäftsführer Martin Engelmann. „Die Unternehmen, die weniger Rezyklate als bisher einsetzen, machen dafür überwiegend die schwache Nachfrage nach Kunststoffverpackungen verantwortlich (48 Prozent).“ Die günstigeren Kunststoff-Neuware-Preise stünden erst an zweiter Stelle. Nur 19 Prozent der Befragten hätte die Preise als Grund angegeben. Ebenfalls 19 Prozent hätten auf entsprechende Wünsche der Kunden verwiesen.
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Nach Verbandsangaben bewertet mehr als jeder zweite Hersteller von Kunststoffverpackungen die aktuelle Nachfrage nach Kunststoffverpackungen und -folien als schlecht oder sehr schlecht. Nur 5 Prozent bezeichnen die Nachfrage als gut. Neben vollen Lägern bei den Kunden drückten auch die seit März sinkenden Rohstoffpreise auf die Nachfrage. Zwei von drei Herstellern erwarten, dass die Verkaufspreise für Kunststoffverpackungen auch in den Sommermonaten weiter sinken werden.
Fast jedes fünfte Unternehmen habe seine Produktion in der Folge in „erheblichem Umfang“ heruntergefahren, erklärt die Industrievereinigung. Weitere 38 Prozent der Unternehmen reagierten mit einer Drosselung der Produktion im mittleren Umfang und Kurzarbeit. Lediglich 19 Prozent der befragten Unternehmen produzierten ohne Einschränkungen.
Einige Unternehmen erwägen offenbar auch die Abwanderung ins Ausland. „Immerhin 11 Prozent der befragten Unternehmen denken konkret über eine Verlagerung ins Ausland nach, 5 Prozent sind bereits dabei, Teile ihrer Produktion oder das gesamte Unternehmen zu verlagern“, sagt Verbandschef Engelmann. „Die Deindustrialisierung findet vor unseren Augen statt und sie geht schneller, als viele gedacht hätten.“
An der aktuellen Geschäftslage dürfte sich aus Sicht des Verbands mittelfristig wenig ändern. „Für die nächsten Monate zeichnet sich keine Trendwende ab“, heißt es. Doch längerfristig scheinen Teile der Branche doch zuversichtlich zu sein. Knapp jeder Zweite plane, in Deutschland zu investieren.








