Konjunktur
Alle Experten sind sich einig: Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr schrumpfen. Auch die Bundesregierung korrigiert ihre Prognose nach unten. Im kommenden Jahr soll es zwar besser werden, aber nicht so gut wie erwartet.
Bundesregierung senkt Wachstumsprognose
Die Bundesregierung senkt ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr. In ihrer am Mittwoch in Berlin vorgestellten Herbstprojektion rechnet die Bundesregierung für dieses Jahr mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft um 1,3 Prozent wachsen. Im Frühjahr war die Bundesregierung noch von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent in diesem Jahr und um 1,6 Prozent im kommenden Jahr ausgegangen.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach von „konjunkturellen Schwierigkeiten“. Als Gründe nannte er die Nachwirkungen der Energiepreiskrise, die notwendige Inflationsbekämpfung durch die Europäische Zentralbank und die Schwäche wichtiger Weltwirtschaftspartner. „Auch gibt es geopolitische Konfliktherde, die die Unsicherheit erhöhen. Wir kommen daher langsamer aus der Krise heraus als gedacht.“
Industrieländer wachsen – außer Deutschland
Die Bundesregierung zeigt sich mit ihrer neuen Prognose etwas zuversichtlicher als der Internationale Währungsfonds (IWF), der für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft um 0,5 Prozent erwartet. Damit wäre die Bundesrepublik laut IWF-Prognose der einzige G7-Industriestaat, dessen Wirtschaft 2023 schrumpfen würde.
Im kommenden Jahr soll die deutsche Wirtschaft laut IWF wieder wachsen – und zwar um 0,9 Prozent. Das sind 0,4 Prozentpunkte weniger, als der IWF noch im Juli angenommen hatte. Als Gründe nennt der Fonds die Schwäche zinsempfindlicher Sektoren, geringere Nachfrage der Handelspartner und damit eine schwächere Industrieproduktion. Im Jahr 2022 war die deutsche Wirtschaft noch um 1,8 Prozent gewachsen.

Für die Weltwirtschaft erwartet der IWF in diesem Jahr ein Wachstum von 3,0 Prozent. Für das kommende Jahr korrigierte der Fonds seine Schätzung leicht nach unten auf 2,9 Prozent (minus 0,1 Prozentpunkte). Im Jahr 2022 war die Weltwirtschaft noch um 3,5 Prozent gewachsen. Rückblickend betrachtet sei die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft angesichts der verschiedenen Krisen bemerkenswert, so der IWF.
Besser als erwartet entwickelt sich offenbar die Wirtschaft in den USA. Der IWF hob seine Wachstumsprognose für dieses Jahr um 0,3 Prozentpunkte auf 2,1 Prozent an. Im kommenden Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,5 Prozent zulegen – das sind
0,5 Prozentpunkte mehr als zuletzt angenommen. Die USA hätten mit einem „robusten Konsum und Investitionen“ überrascht, hieß es. Viele Schwellenländer hätten sich außerdem als recht widerstandsfähig erwiesen.
Eine Ausnahme bildet China. Nach Einschätzung des IWF wird die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr um 5 Prozent wachsen (minus 0,2 Prozentpunkte) und im kommenden Jahr um 4,2 Prozent (minus 0,3 Prozentpunkte). Als einen wesentlichen Grund für die Entwicklung nennt der IWF die Krise im Immobiliensektor in China, die auch für die Weltwirtschaft ein Risiko bedeute. Chinas Wirtschaft müsse sich von einem kreditgetriebenen Immobilienwachstumsmodell verabschieden.



