Absichtserklärung

In der neuen PET-Biorecyclinganlage von Carbios sollen künftig auch Textilabfälle verwertet werden. Dazu will das Unternehmen mit französischen Recyclern zusammenarbeiten. Die Zusammenarbeit soll 2026 beginnen.

Carbios will auch Textilabfälle verwerten


Carbios und Nouvelles Fibres Textiles, ein französisches Textilrecyclingunternehmen, haben eine Absichtserklärung über die Lieferung von Textilabfällen unterzeichnet. Die Abfälle aus Haushalten und Industrie sollen in der weltweit ersten PET-Biorecyclinganlage verwertet werden, die Carbios derzeit in Longlaville (Frankreich) baut. Ab 2026 sollen über einen Zeitraum von fünf Jahren jährlich 5.000 Tonnen Textilabfälle angeliefert werden.

Dazu hat Nouvelles Fibres Textiles im November 2023 mit verschiedenen Partnern eine neue Anlage mit einer Jahreskapazität von zunächst 1.000 Tonnen eröffnet. Die Kapazität der Anlage soll bis 2026 auf 20.000 bis 30.000 Tonnen erhöht werden. Zu den Partnern gehören die Recycler Andritz Laroche und Synergie TLC, der Sortiertechnologieanbieter Pellenc ST Synergie sowie der Textilhersteller Tissages de Charlieu.

In der neuen Anlage sollen verschiedene textile Materialien wie Polyester, Baumwolle, Polycotton, Polyamid und andere Fasern verarbeitet werden. Dabei kommt unter anderem die Technologie von Pellenc ST zum Einsatz, um die Textilien automatisch nach Farbe und Materialzusammensetzung zu sortieren. Die Technologie, die auf Nahinfrarotspektroskopie (NIR) und hyperspektraler Bildgebung basiert, erkennt und entfernt auch störende Elemente wie Knöpfe und Reißverschlüsse.

Darüber hinaus liefert Andritz die Technologie zur Entfernung von Hartkomponenten und zum Zerreißen von Textilien, um die Textilabfälle in wiederverwertbare Fasern umzuwandeln.

Lösungsmittelfreies Recycling

Für Carbios ist die Absichtserklärung eine Chance zur Förderung der Kreislaufwirtschaft in der Textilindustrie. Die Anlage, die Carbios derzeit in Longlaville baut, basiert auf der unternehmenseigenen enzymatischen Depolymerisationstechnologie, die in der neuen Anlage erstmals industriell zum Einsatz kommen soll. Carbios plant, die Anlage in Frankreich 2026 in Betrieb zu nehmen und dann jährlich 50.000 Tonnen Kunststoffabfälle zu verarbeiten.

Konkret soll die Carbios-Technologie ein lösungsmittelfreies Recycling von PET-Kunststoffabfällen und Polyester-Textilabfällen zu neuen Produkten ermöglichen. Die Technologie kann nach Angaben des Unternehmens alle Arten von PET-Abfällen verarbeiten, auch schwierig zu recycelnde Abfälle wie undurchsichtige und farbige Flaschen. Zudem reduziere das Recycling die CO2-Emissionen um 57 Prozent im Vergleich zur PET-Neuproduktion.

Versuche haben gezeigt, dass das enzymatische Recycling PET-Abfälle innerhalb von 16 Stunden zu 97 Prozent in ihre ursprünglichen Bestandteile umwandeln kann. Die dabei eingesetzte Biorecycling-Technologie zerlegt PET in seine ursprünglichen Monomere PTA (Phthalsäure) und MEG (Monoethylenglykol). Diese Monomere werden anschließend repolymerisiert und zu neuen PET-Harzen verarbeitet.

320°/sr

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