„Green Kayak“
„Green Kayak“ heißt eine Initiative, die Freizeitspaß mit aktivem Umweltschutz verbindet. Dabei paddeln Freiwillige über Gewässer und sammeln Müll ein. In Leipzig, Berlin und Hamburg ist das Projekt erfolgreich angelaufen, weitere Städte sollen folgen.
Paddeln für den Umweltschutz
Es ist ein sonniger Morgen in Leipzig, und auf den malerischen Wasserwegen der Stadt gleiten grüne Kajaks lautlos durchs Wasser. Doch die Paddler sind nicht nur zur Erholung hier. Jeder von ihnen hat die Aufgabe, während der Tour Müll aus dem Wasser zu sammeln. Im Gegenzug können sie sich das Paddelboot kostenlos ausleihen.
Diese Initiative nennt sich „Green Kayak“ und verbindet Freizeitspaß mit aktivem Umweltschutz. Die Idee stammt aus Kopenhagen. Derzeit wird sie in sechs Ländern umgesetzt, darunter auch in Deutschland. Hierzulande gibt es „Green Kayak“ bisher in Berlin, Hamburg und Leipzig, doch das Projekt soll weiter ausgedehnt werden.
In Leipzig läuft das Projekt seit Mai erfolgreich. „In den ersten zwei Monaten haben 116 Paddler und Paddlerinnen 206 Kilogramm Müll gesammelt“, sagt Birgit Paul vom Verein Gemeinwohl-Ökonomie Mitteldeutschland, der das Projekt in Leipzig initiiert hat. Besonders während der Fußball-Europameisterschaft wurde viel Müll aus dem Wasser gefischt, vor allem Bierflaschen, Dosen und Plastikverpackungen.
Weitere Boote in Dresden und Halle
Das Problem der Vermüllung ist größer, als es auf den ersten Blick scheint. Die Stadt Leipzig schätzt, dass jährlich etwa 20 bis 25 Tonnen Müll in den mittelgroßen Gewässern landen. Nach Angaben der Stadtverwaltung hat die Vermüllung in den vergangenen Jahren zugenommen.
Um dem entgegenzuwirken, will der Verein Gemeinwohl-Ökonomie Mitteldeutschland im kommenden Jahr weitere Boote in Dresden und Halle anbieten. Auch Jena soll im darauffolgenden Jahr folgen. Doch bevor das Projekt in diesen Städten starten kann, müssen zunächst Sponsoren gefunden werden. „In Halle wollen wir zwei Boote stationieren und in Dresden gerne zwei bis vier“, sagt Paul.
„Hohe Nachfrage hat uns überrascht“
Ausgestattet sind die grünen Boote unter anderem mit einem großen Eimer und zwei Müllgreifern. Eine Gewässerkarte zeigt, welche Bereiche nicht befahren werden dürfen, um Vögel oder Pflanzen zu schützen. Nach jeder Tour wird die gesammelte Müllmenge gewogen und registriert.
Die Idee zu „Green Kayak“ stammt von Oke Carstensen, der das Projekt 2017 gemeinsam mit einem Freund in Kopenhagen ins Leben gerufen hat. „Gar nicht schlecht für eine komplett neue Stadt. Die hohe Nachfrage hat uns wirklich positiv überrascht“, sagt der 33-Jährige über den Start in Leipzig.
In anderen Städten wie Oslo sei der Start dagegen holpriger verlaufen. Insgesamt kommen laut Carstensen an allen Standorten rund 20 Tonnen Müll pro Jahr zusammen. In Berlin beispielsweise wurden 2023 rund 1,9 Tonnen Müll aus dem Wasser gefischt. Zu den häufigsten Funden gehören Plastikverpackungen und Zigarettenkippen, aber auch ungewöhnlichere Gegenstände wie Fahrräder, Elektroroller oder sogar Schmuck wurden schon geborgen.
Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten die kostenlose Nutzung der Kajaks zu ermöglichen. „Uns ist wichtig, dass das Angebot gratis ist und bleibt, damit jeder, der sich für die Umwelt engagieren möchte, aktiv mitmachen kann“, betont Carstensen. Schließlich sei der Müll menschengemacht und die Umwelt unterscheide nicht zwischen Arm und Reich.
In Leipzig arbeitet die Gemeinwohl-Ökonomie Mitteldeutschland auch mit Schulklassen und einem Kinderrestaurant im Leipziger Osten zusammen, um auch den Jüngsten das Thema Umweltschutz näher zu bringen. „Es ist wichtig, dass Kinder schon früh lernen, wie wichtig der Schutz unserer Umwelt ist“, sagt Paul.



