Agri-PV

Auf der einen Seite wird noch Kohle gefördert, auf der anderen Seite soll die sogenannte Agri-Photovoltaik etabliert werden. Im Rheinischen Revier läuft eine Demonstrationsanlage – für Solarstrom und landwirtschaftlichen Anbau.

Obst- und Gemüseanbau im Tagebau Garzweiler


Unter einem Dach aus Solarzellen wachsen am Rand des Braunkohletagebaus Garzweiler Himbeeren, Klee und Gras. Auf einer sieben Hektar großen Fläche in Bedburg, direkt an der Autobahn 44, betreibt der Energiekonzern RWE seit Anfang des Jahres eine innovative Demonstrationsanlage. Ziel ist es, mithilfe der sogenannten Agri-Photovoltaik (Agri-PV) die Solarstromerzeugung und den landwirtschaftlichen Anbau auf einer Fläche zu kombinieren.

Für die Landwirtschaft, aber auch für die Erzeugung grünen Stroms sei es entscheidend, knappe Flächen doppelt zu nutzen, sagte die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) bei der offiziellen Eröffnung der Anlage. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt den auf fünf Jahre angelegten Versuch mit 650.000 Euro.

Drei verschiedene Konzepte

Die Agri-PV-Anlage besteht aus rund 6.100 Solarmodulen, die grünen Strom erzeugen. Laut RWE können damit rechnerisch 1.044 Haushalte pro Jahr klimafreundlich versorgt werden.

Auf der rund sieben Hektar großen Rekultivierungsfläche testet RWE drei verschiedene Konzepte: Bei der ersten Variante sind die Solarmodule fest und senkrecht montiert. Die zweite Variante besteht aus Modulen, die auf einer beweglichen Achse montiert sind und der Sonne nachgeführt werden können. Die dritte Variante, eine fest installierte Anlage, ermöglicht den Anbau von Pflanzen direkt unter den Modulen. Derzeit wachsen dort Himbeeren, Klee und Gras. Im nächsten Frühjahr sollen Getreide, Gemüse und Kartoffeln folgen.

Ulrich Schurr vom Forschungszentrum Jülich betont die Bedeutung des Projekts für den regionalen Strukturwandel: „Hier können wir gemeinsam mit RWE und der landwirtschaftlichen Praxis entwickeln, wie Energiewende und nachhaltige Pflanzenproduktion für Ernährung und biobasierte Rohstoffe Hand in Hand umgesetzt werden können.“ Schurr sieht in der Agri-PV-Anlage nicht nur ein Modell für die Integration von Solarenergie und Landwirtschaft, sondern auch einen wichtigen Schritt hin zu einer nachhaltigen Bioökonomie.

Die Nähe zum Braunkohletagebau Garzweiler verleiht dem Projekt eine besondere Symbolkraft. Während auf der einen Seite noch immer Kohle gefördert wird, soll direkt daneben eine Vision für die Zukunft entstehen. RWE und die beteiligten Wissenschaftler hoffen, dass das Modell Schule macht – nicht nur im Rheinischen Revier, sondern auch in anderen Regionen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

320°/dpa/re

Mehr zum Thema
Schneider will Hitzeschutz ins Grundgesetz schreiben