Offerte an Aktionäre
Der Stahlkonzern Salzgitter könnte überraschend zum Übernahmekandidaten werden. Der Aktionär GP Günther Papenburg erwägt, zusammen mit dem Stahlschrottrecycler TSR Recycling ein Übernahmeangebot zu machen. Noch sind aber viele Fragen offen.
GP und TSR wollen Salzgitter übernehmen
Der Stahlkonzern könnte möglicherweise von seinem zweitgrößten Aktionär übernommen werden. Die GP Günter Papenburg AG erwäge gemeinsam mit der TSR Recycling GmbH & Co. KG eine entsprechende Offerte, teilte Salzgitter am Montagabend mit.
Zwar sind noch viele Fragen offen – etwa, was das Land Niedersachsen als Großaktionär Nummer eins konkret dazu sagt und wie viel den Investoren eine mögliche Übernahme wert ist. Doch allein die Aussicht auf ein Angebot ließ die Börsianer jubeln.
Für die Anleger sei das eine „willkommene Überraschung“, sagte ein Händler. Der Kurs des SDax-Unternehmens schoss heute kurz nach Handelsbeginn um gut ein Viertel auf 17,60 Euro in die Höhe. Mit diesem Kurs wird Salzgitter an der Börse mit etwas mehr als einer Milliarde Euro bewertet.
Mögliche Offerte an Bedingung geknüpft
Wann es zu einem Angebot kommen könnte, hängt von mehreren Faktoren ab. So sei ein mögliches Angebot unter anderem an die Bedingung geknüpft, dass das Konsortium einschließlich des eigenen Anteils mindestens 45 Prozent plus eine Aktie erhalte, hieß es. Die mögliche Höhe des Angebotspreises sei Salzgitter noch nicht mitgeteilt worden.
Das Familienunternehmen GP Günter Papenburg ist nach eigenen Angaben in den Bereichen Bau und Projekte, Rohstoffe und Logistik, Technologie und Projekte sowie Recycling und Verwertung tätig. Papenburg hält derzeit 25,10 Prozent an Salzgitter und ist damit zweitgrößter Anteilseigner hinter dem Land Niedersachsen, das derzeit 26,5 Prozent hält. TSR Recycling ist einer der führenden Stahlschrottrecycler in Deutschland. Das Unternehmen ist eine Tochter des Recyclingkonzerns Remondis.
Die niedersächsische Landesregierung prüft nach eigenen Angaben die „beabsichtigte Übernahme der wirtschaftlichen Kontrolle über die Salzgitter AG durch die GP Günter Papenburg Aktiengesellschaft und die TSR Recycling GmbH & Co. KG sowie die damit verbundenen rechtlichen und wirtschaftlichen Folgen sehr gründlich“. Man wolle dabei insbesondere die Belange der Beschäftigten berücksichtigen, hieß es auf Anfrage. Eine inhaltliche Positionierung werde erst nach Abschluss der Prüfung möglich sein.
„Wir sind von der Richtungsentscheidung der Salzgitter AG hin zu ‚grünem‘ Stahl nach wie vor fest überzeugt und möchten das Unternehmen auf diesem zukunftsorientierten Weg auch weiter konstruktiv begleiten“, heißt es in dem Statement der Landesregierung weiter.
Salzgitter erwartet hohen Verlust
Während Konkurrent Thyssenkrupp einen Stellenabbau angekündigt hat, schnürt auch Salzgitter den Gürtel enger. Ende Oktober kappte das Management erneut seine Prognose – zum dritten Mal in diesem Jahr. Der Konzern rechnet nun für das laufende Jahr mit einem noch stärkeren Umsatzrückgang als bisher und einem Verlust vor Steuern von bis zu 325 Millionen Euro.
Salzgitter-Chef Gunnar Groebler kündigte zudem einen verschärften Sparkurs an, der vor allem das Handelsgeschäft treffen soll. Der Manager begründete die härteren Maßnahmen mit der ausgeprägten Schwächephase in wichtigen Zielmärkten.
Sollte es zu einer Übernahme von Salzgitter kommen, könnte dies auch Auswirkungen auf den Kupferkonzern Aurubis haben. Derzeit hält Salzgitter rund 30 Prozent der Anteile. Die Aurubis-Aktie legte am Dienstagmorgen um sieben Prozent zu.






