Textilrecycling
Zu viel Müll, zu hohe Kosten – das DRK stellt die Altkleidersammlung um. Die Sammelcontainer werden verschwinden.
„Das Sammeln über Altkleidercontainer lohnt sich nicht mehr“
Noch vor wenigen Jahren gehörten sie zum gewohnten Straßenbild: Altkleidercontainer, die ein unkompliziertes und nachhaltiges System zum Spenden gebrauchter Kleidung versprachen. Doch in Sachsen verschwinden die Sammelbehälter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zunehmend. Der Grund: Statt tragbarer Kleidung landen immer öfter Müll und beschädigte Textilien in den Containern – ein Ärgernis, das für die Organisation auch finanziell zum Problem geworden ist.
„Wenn wir für das Spendensammeln mehr Ressourcen aufwenden müssen, als wir über die Spenden erhalten können, müssen wir Sammlungen wie zum Beispiel über Container einstellen“, sagt DRK-Sprecher Kai Kranich. Nach Angaben des DRK kostet es die 38 Kreisverbände in Sachsen inzwischen mehr, den Müll aus den Containern zu entsorgen, als durch den Verkauf der Altkleider eingenommen wird.

Mit diesem Problem ist das DRK nicht allein. Bundesweit kämpfen Organisationen und Recyclingunternehmen mit den gleichen Herausforderungen. Laut dem Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) ist die „steigende Verunreinigung“ einer der Hauptgründe, warum sich die gewerbliche Sammlung von Alttextilien in vielen Regionen kaum noch lohnt.
Erschwerend kommt hinzu, dass auch die Weltmärkte, die bisher einen Großteil der Secondhand-Kleidung aufgenommen haben, in die Krise geraten sind. Osteuropa, lange Zeit ein wichtiger Absatzmarkt, ist durch den russischen Angriffskrieg wirtschaftlich schwer angeschlagen. In afrikanischen Ländern blockieren Billigimporte aus China die Märkte für europäische Altkleider. Gleichzeitig steigt der finanzielle Druck: Der bvse berichtet von Forderungsausfällen im Ausland von bis zu 30 Prozent. Einige Textilrecycler in Deutschland sind bereits insolvent.
Alternativen zu Containern
In Sachsen hat das DRK auf die Qualitätsprobleme reagiert und die Sammlung umgestellt. Statt auf Container setzen die Kreisverbände nun auf gezielte Sammelaktionen und die direkte Abgabe in Kleiderkammern oder Sozialläden. Im Freistaat gibt es inzwischen über 50 solcher Einrichtungen, in denen gut erhaltene Kleidung gezielt an Menschen mit geringem Einkommen weitergegeben wird. „Damit können wir erreichen, dass Bedarfe von Menschen mit geringem Einkommen passgenau durch gut erhaltene Altkleider gedeckt werden“, sagt DRK-Sprecher Kranich.
Dieses System hat gleich mehrere Vorteile: Es verbessert die Qualität der Spenden, senkt die Entsorgungskosten und ermöglicht es, die Kleidung direkt dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird. Gleichzeitig bleibt das Ziel der Kreislaufwirtschaft – die Wiederverwertung von Textilien – erhalten.

