Vier „Erlaubnisfelder“

Kommt Lithium in Zukunft aus Niedersachsen? Der Mineralölkonzern Esso hält das für möglich. Er will in mehreren Landkreisen mit der Erkundung beginnen.

Lithiumsuche in Niedersachsen: Esso erhält Genehmigung


Der Tankstellenbetreiber Esso hat in Niedersachsen die Erlaubnis erhalten, nach Lithium zu suchen. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat dem Unternehmen vier sogenannte Erlaubnisfelder zur Aufsuchung des wertvollen Rohstoffs genehmigt – mit einer Gesamtfläche von mehr als 1.443 Quadratkilometern. Das entspricht etwa der siebenfachen Fläche der Stadt Hannover.

Lithium ist ein unverzichtbarer Bestandteil von Batterien, die in Elektroautos und Smartphones zum Einsatz kommen. Mit der zunehmenden Elektrifizierung des Verkehrs und dem steigenden Absatz von Elektroautos wächst die weltweite Nachfrage rasant. Prognosen gehen davon aus, dass der Bedarf an Lithium in den kommenden Jahren sprunghaft ansteigen wird. Bisher ist Europa stark von Importen abhängig, vor allem aus Australien, Chile und China.

Die Erlaubnis des LBEG gibt Esso das „grundsätzliche Recht, die Aufsuchungen vorzunehmen“. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Konzern sofort mit der Arbeit beginnen kann. Dies sei erst nach Zulassung bergrechtlicher Betriebspläne möglich, für die unter anderem ein gesondertes Beteiligungsverfahren nötig sei, teilte die Behörde mit. Zunächst konzentriert sich Esso auf die Analyse vorhandener geologischer Daten.

Die betroffenen Erlaubnisfelder liegen in verschiedenen Teilen Niedersachsens:

  • „Greetsiel IV“ erstreckt sich entlang der Emsmündung von Emden bis an den Stadtrand von Norden auf einer Fläche von rund 325 Quadratkilometern.
  • „Hengstlage“ liegt zwischen Wardenburg und Wildeshausen und umfasst gut 429 Quadratkilometer.
  • „Hemslingen“ reicht von Rotenburg (Wümme) bis Schneverdingen und umfasst 453 Quadratkilometer.
  • Direkt angrenzend liegt „Wolterdingen“ mit knapp 236 Quadratkilometern, bis nach Soltau und Bispingen.

Auch der Landkreis Cloppenburg und der Heidekreis sind betroffen. Die betroffenen Gemeinden und Landkreise wurden laut Esso vorab informiert. Darüber hinaus hat der Konzern 19 weitere Anträge auf Aufsuchungserlaubnisse in Niedersachsen gestellt.

Bohrlochbergbau als Methode der Zukunft

Geplant ist, Lithium im sogenannten Bohrlochbergbau zu gewinnen. Ein Verfahren, das dem Prinzip der Tiefengeothermie ähnelt: Aus mehreren tausend Metern Tiefe werden lithiumhaltige Flüssigkeiten gefördert. Diese werden abgetrennt, während der Rest der Flüssigkeit wieder in die ursprünglichen Untergrundschichten gepumpt wird. Das Verfahren ist vergleichsweise schonend und benötigt weniger Fläche als der konventionelle Bergbau.

Mit dem Vorstoß von Esso könnte Norddeutschland langfristig zu einem bedeutenden Standort für die Lithiumgewinnung werden. Ob und wann die geplante Förderung tatsächlich starten kann, bleibt jedoch abzuwarten. Bis dahin muss Esso noch weitere Hürden nehmen, unter anderem die Genehmigung der erforderlichen Betriebspläne und die Klärung möglicher Auswirkungen auf die Umwelt.

320°/dpa/re

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