Super-Clean-Process
Ein neuer Joghurtbecher von Ineos Styrolution zeigt, wie mechanisches Recycling für Lebensmittelverpackungen genutzt werden kann. Die Joghurtbecher werden schon bald in den Kühlregalen von Lidl zu finden sein.
Ab Januar bei Lidl: Joghurtbecher aus mechanisch recyceltem Polystyrol
Der Kunststoffhersteller Ineos Styrolution hat erstmals Joghurtbecher aus mechanisch recyceltem Polystyrol hergestellt – und dabei eine Qualität erreicht, die bisher nur von recyceltem PET bekannt war. Möglich wurde dies durch ein firmeneigenes Recyclingverfahren, den sogenannten Super-Clean-Prozess. Das Verfahren erfüllt laut Ineos die strengen Anforderungen der EU-Verordnung 2022/1616, die Standards für Materialien mit Lebensmittelkontakt setzt.
Die Technologie besteht aus mehreren Schritten: Zunächst wird der Kunststoff mittels Nahinfrarotsortierung (NIR) gereinigt, dann folgt die Zerkleinerung, das Waschen und der abschließende Reinigungsprozess, die eigentliche Super-Clean-Technologie. Das Ergebnis ist ein Rezyklat mit den gleichen physikalischen Eigenschaften wie konventionell hergestelltes Polystyrol, wie Ineos betont. „Polystyrol ist in der Champions League der recycelten Lebensmittelkontaktmaterialien angekommen“, sagt Frank Eisenträger, ECO & Market Development Manager bei Ineos Styrolution.
Ein erster Verbrauchertest zur Akzeptanz des rezyklathaltigen Bechers und der Becherfarbe wurde im Frühjahr 2024 in Zusammenarbeit mit der Unternehmensgruppe Theo Müller, einem der führenden Molkereiunternehmen in Deutschland, durchgeführt. Mehrere hundert Joghurtbecher aus recyceltem Polystyrol wurden befüllt und Testpersonen in einer Ineos-Kantine angeboten, um die Innovation zu bewerten. 90 Prozent der Tester gaben an, dass sie das Produkt kaufen würden. Sie waren auch der Meinung, dass ein recycelter Becher anders aussehen könnte als ein konventionell hergestellter. Zum Beispiel wäre eine andere Farbe als das heutige schlichte Weiß durchaus akzeptabel.
Für die Industrie kommt der Durchbruch zur rechten Zeit. Die Europäische Union verschärft mit der EU-Verpackungsverordnung (PPWR Packaging and Packaging Waste Regulation) die Anforderungen an Verpackungen. Unternehmen werden verpflichtet, mehr Recyclingmaterial zu verwenden und ihre Produkte leichter recycelbar zu machen.
„Dies ist ein Meilenstein auf unserem gemeinsamen Weg zur perfekten Kreislauffähigkeit von Styroporbechern und zur Erfüllung der PPWR-Anforderungen“, sagt Lena Lembach, Senior Packaging Development bei Theo Müller. Neben der Regulierungsanforderung hat das Material auch ökologische Vorteile: Laut INEOS Styrolution verursacht das recycelte Polystyrol einen deutlich geringeren CO2-Fußabdruck als herkömmlich produziertes Material.
Ab 2025 im Supermarkt
Die Pläne für die Markteinführung des Joghurtbechers aus recyceltem Polystyrol stehen bereits. Anfang 2025 sollen die ersten Joghurtbecher bei Lidl im Regal stehen. Ist das Projekt erfolgreich, könnte es als Blaupause für andere Verpackungen dienen.
Bis dahin bleiben aber noch Hürden zu überwinden. Zwar ist der ‚Super Clean Process‘ von Ineos Styrolution als ‚Novel Technology‘ gemäß der EU-Verordnung 2022/1616 angemeldet, aber die EU-Behörden müssen die Technologie noch prüfen und genehmigen, bevor sie im großen Stil eingesetzt werden kann. Auch die Skalierung der Produktionsprozesse steht noch aus.










