Klimawandel
Die Menschheit hat 2024 erstmals die 1,5-Grad-Marke überschritten. Die Folgen der Rekordtemperaturen waren 2024 verheerender als je zuvor. Doch es gibt auch Hoffnung.
Globale Erwärmung 2024 auf Rekordniveau
Im Jahr 2024 hat die Menschheit einen unrühmlichen Meilenstein erreicht: Zum ersten Mal seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen lag die globale Durchschnittstemperatur um mehr als 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Mit 1,6 Grad über dem Mittelwert von 1850 bis 1900 war 2024 auch das wärmste Jahr aller Zeiten, wie der Copernicus-Klimadienst der Europäischen Union berichtet.
Die Daten des Copernicus-Dienstes, die von Satelliten, Wetterstationen, Schiffen und Flugzeugen stammen, zeigen einen eindeutigen Trend: In den vergangenen zehn Jahren gehörte jedes Jahr zu den zehn wärmsten seit 1850. „Dieser Bericht ist ein Warnsignal, denn wir müssen alles tun, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren“, mahnt Niklas Höhne, Mitbegründer des NewClimate Institute. „Wir müssen mehr tun als bisher.“

Am 22. Juli 2024 wurde mit einer globalen Durchschnittstemperatur von 17,16 Grad ein neuer Rekord für den weltweit heißesten Tag aufgestellt. Auch in Europa und Deutschland war 2024 das wärmste Jahr der Messgeschichte. Im Durchschnitt lag die globale Durchschnittstemperatur bei 15,1 Grad. Das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, ist damit aber formal noch nicht überschritten. Entscheidend ist der Mittelwert über mindestens 20 Jahre.
Extremereignisse häufen sich
Dennoch hält Andreas Fink vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) das 1,5-Grad-Ziel für nicht mehr erreichbar. Die Technologien, um der Atmosphäre Kohlendioxid (CO2) zu entziehen, seien noch nicht weit genug entwickelt. Eine rasche Reduktion der Treibhausgasemissionen sei daher zwingend notwendig. Die Kosten eines eskalierenden Klimawandels seien deutlich höher als die Abkehr von Kohle, Öl und Gas.
Schon heute zeigen sich die Folgen der Erwärmung in Form von Extremereignissen wie Hitzewellen über 50 Grad, sintflutartigen Regenfällen und unkontrollierbaren Bränden. Nicht nur die Landflächen, sondern auch die Ozeane erreichten 2024 neue Temperaturrekorde und beeinflussten das Wetter.
Die Kombination aus hohen Meeres- und Lufttemperaturen begünstigte heftige Stürme, während anhaltende Dürren Waldbrände förderten, besonders in Amerika. Am 10. Juli herrschte auf rund 44 Prozent der Erdoberfläche zumindest „starke Hitzebelastung“ – ebenfalls ein neuer Höchstwert.
Positive Trends trotz düsterer Aussichten
Als Hauptursachen für die Rekordtemperaturen sehen die Experten den vom Menschen verursachten Ausstoß von Treibhausgasen sowie das Klimaphänomen El Niño, das von Ende 2023 bis Mitte 2024 die Temperaturen zusätzlich in die Höhe trieb. Die Konzentrationen von CO2 und Methan in der Atmosphäre erreichten 2024 neue Höchststände.
Doch es gibt auch ermutigende Entwicklungen, wie Höhne betont: „Wir haben gesehen, dass wir Dinge ändern können.“ Erneuerbare Energien, Elektroautos und Wärmepumpen verbreiteten sich schneller als vorhergesagt. Vor zehn Jahren prognostizierte Höhnes Projekt Climate Action Tracker noch einen Temperaturanstieg von 3,5 Grad bis 2100. Dank der Fortschritte beim Klimaschutz sind es heute 2,7 Grad – bei Einhaltung aller Klimaziele sogar nur 1,9 Grad.
Der Weg zur Treibhausgasneutralität ist aber noch weit. Hier sei parteiübergreifende Zusammenarbeit gefragt, mahnt der Klimaforscher. Gesetze wie das umstrittene Heizungsgesetz seien ebenso wichtig wie das Verbrenner-Aus ab 2035. Die Parteien dürften sich in dieser existenziellen Krise nicht gegenseitig ausspielen.