Ausblick 2025
Deutschlands Elektro- und Digitalhersteller sehen sich vor einem weiteren schwierigen Jahr. Der Branche droht ein Personalabbau. Schon das vergangene Jahr sei „sehr schwierig“ gewesen.
Elektroindustrie erwartet Produktionsrückgang und Stellenabbau
Die Flaute in der deutschen Elektro- und Digitalindustrie dürfte auch 2025 anhalten. „Wir sehen im Moment noch keine Trendumkehr, allenfalls erste Hoffnungszeichen“, sagte Präsident des Branchenverbandes ZVEI, Gunther Kegel, am Mittwoch in Frankfurt.
Für 2025 rechnet der ZVEI mit einem weiteren leichten Rückgang der realen Produktion um minus zwei Prozent. Damit wäre der Einbruch zumindest nicht mehr ganz so stark wie im vergangenen Jahr.
Viele Unternehmen seien notwendige Schritte zum Personalabbau bisher nicht gegangen, sagte der ZVEI-Präsident. „Das wird mit dem trüben Ausblick für 2025 jetzt sicherlich anders werden. Die Branche holt das jetzt nach, was man 2024 aufgrund des Prinzips Hoffnung noch ein wenig ausgesetzt hat.“
„Regulatorik ist aus dem Ruder gelaufen“
Kegel hofft dennoch auf weitgehend stabile Beschäftigungszahlen mit maximal ein bis zwei Prozentpunkten Rückgang. „Ob sich das bewahrheitet, hängt sehr stark von den politischen Geschehnissen in den nächsten Wochen und Monaten ab“, so der Verbandspräsident. „Unternehmerinnen und Unternehmer brauchen Zuversicht. Die Stimmung zu drehen, ist die wichtigste Aufgabe der neuen Bundesregierung.“
Aus Sicht des ZVEI ist die politische Regulatorik aus dem Ruder gelaufen. In der EU habe es in den vergangenen fünf Jahren 13.000 neue Vorschriften gegeben, in den USA nur 3.000. Der Verband verweist auf den Normenkontrollrat, der die Bürokratiekosten für die deutsche Wirtschaft auf über 65 Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Dieses Geld fehle für Investitionen und damit für neue Wertschöpfung.
„Man muss inzwischen wirklich von einem Regulierungsdickicht sprechen“, sagte Kegel. Neun von zehn Mitgliedsunternehmen bewerten die allgemeine Belastung durch bürokratische Berichtspflichten als „hoch“ oder „sehr hoch“ und sehen sich dadurch in ihrer Innovationstätigkeit behindert. Der ZVEI fordert die nächste Bundesregierung auf, entschlossen gegenzusteuern. So müsse beispielsweise das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz gestoppt und neu aufgesetzt werden.
Schwieriges Jahr 2024
Das vergangene Jahr 2024 bezeichnete Kegel als „sehr schwierig“. „Die Branche verbüßte Rückgänge bei allen relevanten Kennzahlen“, sagte der ZVEI-Präsident.
- Die preisbereinigte Produktion brach von Januar bis einschließlich November 2024 um mehr als neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. Damit fällt die Bilanz noch schlechter aus, als die bereits im Oktober auf minus sieben Prozent nach unten revidierte Produktionsprognose erwarten ließ.
- Bei den nominalen Erlösen (einschließlich Dienstleistungen) verzeichnete die deutsche Elektro- und Digitalindustrie im gleichen Zeitraum ein Minus von 6,5 Prozent. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr 2024 ergibt sich daraus ein Umsatz von rund 223 Milliarden Euro – nach 238 Milliarden Euro im Vorjahr.
- Die Elektroexporte gingen von Januar bis November 2024 um vier Prozent zurück. Hier drehten alle wichtigen Absatzmärkte ins Minus, auch die beiden größten Märkte China und die USA.
- Auch die Beschäftigung in der Branche ging zurück. Zuletzt waren in Deutschland gut 892.000 Menschen beschäftigt – zwei Prozent weniger als im Vorjahr
Zuversicht schöpft der ZVEI-Präsident aus den drei Megatrends Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung, die nach wie vor intakt seien und neue wirtschaftliche Dynamik entfalten könnten. „Technologisch sind wir auf die Effizienzwende und den klimaneutralen Umbau unserer Industriegesellschaft vorbereitet“, so Kegel. „Dazu müssen wir Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz allerdings besser als bisher in Einklang bringen.“




