Zahlen für 2023
Deutschlands Verpackungsverbrauch ist 2023 so stark zurückgegangen wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Bei manchen Materialfraktionen fiel der Rückgang besonders stark aus.
Deutschland produziert so wenig Verpackungsmüll wie 2009
Weniger Aufkommen, mehr Recycling: Im Jahr 2023 sind in Deutschland rund 1,1 Millionen Tonnen weniger Verpackungsabfälle angefallen. Dies entspricht einem Rückgang von 5,9 Prozent auf insgesamt 17,9 Millionen Tonnen. Ein derartiger Einbruch wurde zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 registriert. Bereits 2022 hatte sich eine Trendwende beim wachsenden Verbrauch abgezeichnet.
Die neuen Daten gehen aus dem aktuellen Verpackungsmonitor hervor, den die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) im Auftrag der Allianz für Verpackung und Umwelt (AVU) erstellt hat. Demnach ist der deutliche Rückgang des Aufkommens maßgeblich auf konjunkturelle Effekte zurückzuführen. Ein hohes Preisniveau, eine anhaltende Konsumzurückhaltung der privaten Haushalte sowie eine ausgeprägte Investitionsschwäche der Unternehmen dämpften den Verbrauch.
Besonders stark betroffen waren die gewerblich anfallenden Verpackungen, die mit 9,5 Millionen Tonnen den größten Anteil am Gesamtaufkommen ausmachen und um 7,9 Prozent sanken. Sinkende Bautätigkeiten und eine gedrosselte Industrieproduktion in verpackungsintensiven Branchen, wie etwa bei Schmierölen, schlugen hier direkt zu Buche.
Doch die konjunkturelle Delle allein erklärt die Entwicklung nicht. Zunehmend greifen auch regulatorische und freiwillige Maßnahmen zur Abfallvermeidung. Laut GVM zählen dazu die fortschreitende Etablierung von Mehrwegsystemen, die Optimierung von Versand- und Transportverpackungen sowie die konsequente Reduktion des Materialgewichts einzelner Verpackungen. Auch das Verbot bestimmter Kunststofftragetaschen und der Trend von formstabilen zu flexiblen Verpackungen tragen zur Reduktion bei.
Der private Endverbrauch, der mit 8,4 Millionen Tonnen 47 Prozent des Gesamtaufkommens ausmacht, ging mit 3,6 Prozent weniger stark zurück als der gewerbliche Sektor. Ein Blick auf die einzelnen Materialien zeigt, dass die Abnahmen bei Holz, Papier/Pappe/Karton (PPK), Kunststoff und Stahl besonders deutlich ausfielen. Gegen diesen Trend konnten lediglich vier spezifische Marktsegmente ein Wachstum verzeichnen: Aluminium-Getränkedosen, Mehrweg-Kästen, Faserguss und Papierverbunde.
Parallel dazu hat sich das Recycling etwa verbessert. Die Quote der stofflichen Verwertung stieg im Jahr 2023 leicht um 0,9 Prozentpunkte auf 75,4 Prozent an. Deutlich verbessert hat sich die Recyclingquote bei Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton um 1,3 Prozentpunkte. Nach einem Einbruch im Vorjahr hat sich die Quote bei Getränkekartonverpackungen wieder normalisiert und legte um 7,6 Prozentpunkte zu.
Begrenzte Zahlungsbereitschaft
Die Prognose der GVM-Experten für das Jahr 2030 deutet darauf hin, dass das Verpackungsaufkommen um weitere 7,5 Prozent auf dann 16,6 Millionen Tonnen zurückgehen wird. Damit würde das Niveau von vor 2012 unterschritten werden. Insbesondere der Verbrauch von Kunststoffverpackungen wird dieser Voraussage zufolge stark sinken, während lediglich Verpackungen aus Papierverbunden und textile Verpackungen weiter wachsen dürften.
Die Voraussetzungen für ein weiter zunehmendes Recycling sind durchaus gegeben. So zeigt eine YouGov-Umfrage, dass für 54 Prozent der Befragten die Mülltrennung im Haushalt wichtig ist und für weitere 30 Prozent eher wichtig. Zudem geben rund zwei Drittel der Befragten an, dass Nachhaltigkeit und Recyclingfähigkeit für sie relevante Kriterien bei der Kaufentscheidung sind. Wenn es jedoch um den Kaufpreis geht, stößt die Zustimmung an ihre Grenzen. Laut der Umfrage sind 53 Prozent der Befragten nicht bereit, für ein Produkt in einer nachhaltigeren Verpackung einen höheren Preis zu zahlen.











