Wasserstoff-Strategie

In Frankreich und Polen standen die Bänder für eine neue Generation von Wasserstoff-Transportern bereit. Doch nun stoppt Stellantis das Programm. Der Autokonzern sieht keine Entwicklungsperspektive.

Stellantis glaubt nicht mehr an die Brennstoffzelle


Während die Politik und Teile der Industrie Wasserstoff als zentralen Baustein einer klimaneutralen Zukunft preisen, zieht einer der größten Automobilhersteller der Welt den Stecker. Der Konzern Stellantis gab bekannt, sein Entwicklungsprogramm für Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie einzustellen. Die geplante Markteinführung einer neuen Generation wasserstoffbetriebener Transporter der „Pro One“-Reihe in diesem Jahr ist damit hinfällig.

Die Gründe für diesen Schritt sind ernüchternd. Das Unternehmen sieht für leichte Nutzfahrzeuge mit Wasserstoffantrieb vor dem Ende des Jahrzehnts keine flächendeckende Perspektive. Als Hauptursachen nennt der Konzern die mangelhaft ausgebaute Tankstelleninfrastruktur, den hohen Kapitalbedarf für deren Aufbau und das Fehlen wirksamer Kaufanreize für Kunden. Die für diesen Sommer geplante Serienproduktion in Hordain (Frankreich) für mittelgroße und in Gliwice (Polen) für große Transporter wird daher nicht aufgenommen.

Fehlende Wirtschaftlichkeit

„Der Wasserstoffmarkt bleibt ein Nischensegment ohne Aussichten auf mittelfristige wirtschaftliche Nachhaltigkeit“, erklärte Jean-Philippe Imparato, Chief Operating Officer für Enlarged Europe. „Wir müssen klare und verantwortliche Entscheidungen treffen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten und die Erwartungen unserer Kunden mit unserer Offensive bei elektrischen und hybriden Personen- und leichten Nutzfahrzeugen zu erfüllen.“

Wasserstoff wird auch unter einem anderen Aspekt kritisch gesehen. Für die Herstellung von „grünem“ Wasserstoff mittels Elektrolyse wird eine erhebliche Menge Strom benötigt. Laut Fraunhofer ISE liegt der Wirkungsgrad moderner Elektrolyseure bei etwa 65 bis 75 Prozent. Das bedeutet, dass für die Herstellung von 1 kWh Wasserstoff etwa 1,3 bis 1,5 kWh Strom eingesetzt werden müssen. Der Strombedarf ist somit erheblich höher als bei der Speicherung der gleichen Energiemenge in einer Batterie.

Hinzu kommt, dass bei der Umwandlung, Speicherung, dem Transport und der Rückverstromung in der Brennstoffzelle bis 70 bis 80 Prozent der ursprünglich eingesetzten Energie verloren gehen. Anders ausgedrückt ergibt sich somit ein Gesamtwirkungsgrad von nur 20 bis 30 Prozent. Zum Vergleich: Der Wirkungsgrad eines batterieelektrischen Fahrzeugs, das Strom direkt in seiner Batterie speichert, liegt bei über 70 bis 80 Prozent.

Der Rückzug aus der Wasserstofftechnologie soll jedoch keine Konsequenzen für das Personal an den Produktionsstandorten haben, wie Stellantis versichert. Die Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) für die Wasserstofftechnologie würden auf andere Projekte umgeleitet.

320°/re

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