Kunststoffrecycling

Der eine hat die Technologie, der andere die Kunststoffabfälle: Der US-Kunststoffrecycler Agilyx steigt bei GreenDot ein. Beide wollen das chemische Recycling bedienen.

Agilyx steigt bei Green Dot ein


Der US-amerikanische Kunststoffrecycler Agilyx übernimmt einen Anteil von 44 Prozent an der europäischen GreenDot-Gruppe. Beide Unternehmen haben dazu eine verbindliche Vereinbarung unterzeichnet, die einen Kaufpreis von 52 Millionen Euro umfasst. Die Summe setzt sich aus neu ausgegebenen Agilyx-Aktien im Wert von rund 32 Millionen Euro und einer Barzahlung von circa 20 Millionen Euro zusammen.

Für Agilyx stellt der Einstieg bei GreenDot einen strategischen Schritt dar. „Diese transformative Investition stärkt die Präsenz von Agilyx auf dem europäischen Markt erheblich und schafft eine globale Plattform für die Beschaffung und Lieferung von Rohstoffen an die fortschrittliche Recyclingindustrie“, teilte das Unternehmen mit. Ziel ist es, den Zugang zu den Abfallströmen zu sichern, die für die eigenen Technologien benötigt werden.

Auch GreenDot, die Unternehmensgruppe hinter dem in Deutschland etablierten System „Der Grüne Punkt“, verspricht sich von der Partnerschaft entscheidende Vorteile. Das frische Kapital soll vor allem den Ausbau von Standorten in Deutschland, Österreich und Italien finanzieren. „Die Investition von Agilyx und die Geschäftssynergien, die wir zwischen zwei Marktführern auf der anderen Seite des Atlantiks entwickeln werden, werden unsere Fähigkeit stärken, als bevorzugter Partner von Marken und Akteuren in der Wertschöpfungskette für Kunststoffverpackungen zu agieren“, erklärte Laurent Auguste, CEO von GreenDot.

Das Kerngeschäft von Agilyx ist die Aufbereitung von Kunststoffabfällen für das sogenannte fortschrittliche oder chemische Recycling. Dabei spalten chemische Verfahren die Kunststoffpolymere in ihre molekularen Grundbausteine auf. Aus diesen können anschließend wieder Kunststoffe in Neuwarequalität hergestellt werden. Dies soll insbesondere bei stark vermischten oder verunreinigten Abfällen angewandt werden, die sich nicht mechanisch aufbereiten lassen.

Umweltverbände kritisieren diese Verfahren jedoch wegen ihres hohen Energieverbrauchs und ihrer geringen Materialausbeute. Dennoch treibt der Druck der EU die Entwicklung voran. So schreibt die Verpackungsverordnung bis 2030 Rezyklateinsatzquoten für Kunststoffverpackungen von 30 bis 35 Prozent vor, was die Nachfrage nach hochwertigen recycelten Materialien erhöhen wird.

GreenDot rechnet mit 400 Millionen Euro Umsatz

Die technologische Ausrichtung von Agilyx zeigt sich auch in der Unternehmensstruktur. Über die Tochtergesellschaft Styrenyx lizenziert der Konzern seine Depolymerisationstechnologie für Polystyrol. An dem Joint Venture Cyclyx, das Kunststoffabfälle zu Rohstoffen für mechanische und fortschrittliche Recyclinganwendungen aufbereitet, sind neben Agilyx (50 Prozent) auch die Branchengrößen ExxonMobil (25 Prozent) und LyondellBasell (25 Prozent) beteiligt. Über Plastyx, ein weiteres Joint Venture mit Circular Resources (40 Prozent), liefert Agilyx Rohstoffe aus Europa für die globalen Märkte für mechanisches und fortschrittliches Recycling.

GreenDot selbst bringt in die Partnerschaft seine Sammel- und Sortierleistung ein. Mit Lizenzen in 29 Ländern verarbeitet das Unternehmen jährlich mehr als eine Million Tonnen Verpackungsabfälle, davon über 400.000 Tonnen Kunststoff. Die Gruppe prognostiziert für das laufende Jahr 2025 einen Gesamtumsatz von rund 400 Millionen Euro sowie ein zweistelliges EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen).

320°/re

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