Verpackungsverordnung

Die EU-Verpackungsverordnung verpflichtet Unternehmen zu einem detaillierten Reporting. Künftig muss die Recyclingfähigkeit sämtlicher Verpackungsbestandteile bewertet werden. Die gute Nachricht: Dafür wird es bald ein neues Tool geben.

Reporting zur Recyclingfähigkeit: „Das ist vielen noch nicht bewusst“


Seit Februar dieses Jahres ist die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR – Packaging and Packaging Waste Regulation) in Kraft. Sie formuliert neue Ziele zur Abfallreduzierung und soll die Recyclingfähigkeit von Verpackungen deutlich verbessern. Für Unternehmen bedeutet dies einen höheren Aufwand in der Berichterstattung, da die Verordnung verlangt, dass sämtliche Verpackungsbestandteile, die für den Verbraucher oder im Entsorgungsprozess einzeln anfallen, separat auf ihre Recyclingfähigkeit bewertet werden müssen.

„Das ist vielen noch nicht bewusst“, erklärt Dagmar Glatz, die bei der Drogeriekette dm für dieses Thema zuständig ist und im Forum Rezyklat das Fachpaket „Digitalisierung“ leitet. Demnach müssen künftig auch einzelne Komponenten wie etwa der Stülpdeckel einer Aerosoldose eine eigene Bewertung erhalten. „Obwohl die Anforderungen zur Recyclingfähigkeit jeder Verpackung gemäß der PPWR erst ab 2030 in Kraft treten, ist ein frühzeitiges Reporting für verschiedene Prozesse von großer Bedeutung“, so Glatz. Denn sobald die Recyclingfähigkeit in die Kalkulation der Lizenzierungsentgelte für die dualen Systeme einfließt, müssen die Daten für jede Verpackung lückenlos vorliegen.

Um die Wirtschaft darauf vorzubereiten, hat das Forum Rezyklat ein neues Datenattribut namens „Packaging Components“ weiterentwickelt. In dieses Feld tragen Unternehmen künftig ein, aus welchen Einzelteilen ihre Verpackung besteht, und wählen diese aus einer zentralen Codeliste aus.  

„Ziel ist es, dass Unternehmen in Zukunft die Recyclingfähigkeit nicht nur auf Gesamtverpackungs-, sondern auch auf Komponentenebene, angeben können“, teilt das Forum Rezyklat mit. So könnten Unternehmen zukünftig alle relevanten Verpackungsinformationen standardisiert austauschen, zum Beispiel im globalen Stammdatennetzwerk GDSN. „Der digitale Austausch der Informationen ist grundlegend dafür, dass alle erforderlichen Informationen PPWR-konform reportet werden können“, betont Leonie Richter von der Organisation GS1 Germany, die ebenfalls Mitglied im Forum Rezyklat ist.

Die technische Lösung soll voraussichtlich ab August 2026 zur Verfügung stehen. Durch die Weiterentwicklung soll sichergestellt werden, dass Unternehmen frühzeitig auf die neuen Anforderungen reagieren können.

320°/re

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