UN-Konferenz in Genf
Im Ringen um einen globalen Pakt gegen Plastikmüll stehen sich die Befürworter und Gegner scheinbar unversöhnlich gegenüber. Ein vom Konferenzvorsitzenden vorgelegtes Papier sorgte für offene Empörung. Die Abschlusssitzung wurde bereits verschoben.
Globales Plastikmüll-Abkommen droht zu scheitern
Bei der UN-Konferenz in Genf ist im Ringen um ein globales Abkommen zur Eindämmung des Plastikmülls bisher keine Einigung in Sicht. Die für Donnerstagabend geplante Abschlusssitzung wurde bereits auf den Abend verschoben. Sollte sich bis dahin kein Kompromiss abzeichnen, könnte der Konferenzvorsitzende das Scheitern des Abkommens bekanntgeben. Andernfalls dürfte es eine Nachtsitzung in Genf geben.
Grundsätzlich sind sich rund 180 Länder einig, dass die Plastikflut in Meeren, auf Bergen, in der Luft und inzwischen auch im menschlichen Körper eine große Gefahr darstellt. Sie streiten jedoch darüber, was dagegen zu tun ist. Die Verhandlungen dauern seit drei Jahren an. In Genf sollte der Vertragstext fertiggestellt werden. Die Umsetzung würde wegen der nötigen Ratifizierungen ohnehin noch Jahre dauern.
Auf der einen Seite stehen mehr als 100 Länder mit besonders ehrgeizigen Zielen (High Ambition Coalition). Sie fordern eine Beschränkung der Plastikproduktion auf nachhaltigem Niveau. Zu ihnen gehören Deutschland, die EU sowie Dutzende Länder in Südamerika, Afrika und Asien. Sie wollen Einwegplastik wie Becher oder Besteck aus dem Verkehr ziehen und stattdessen Plastikprodukte zur Mehrfachverwendung sowie eine Kreislaufwirtschaft fördern.
Auf der anderen Seite stehen vor allem die Länder, die über Öl verfügen, den Rohstoff für die Plastikproduktion. Dazu gehören Saudi-Arabien, der Iran und Russland. Sie nennen sich „Gruppe der Gleichgesinnten”. Sie möchten sich weitgehend auf ein besseres Abfallmanagement beschränken.
Empörung über Kompromisspapier
Der Auftrag, den sich die UN-Länder 2022 selbst gegeben haben, war allerdings eigentlich klar: Das Mandat besagt, dass der Vertrag den gesamten Lebenszyklus des Plastiks umfassen solI – von der Produktion über das Design bis zur Entsorgung.
Doch was der Konferenzvorsitzende Luis Vayas Valdivieso am Mittwoch als Kompromisspapier vorlegte, empörte Dutzende Länder. Er hatte praktisch alle ehrgeizigen oder umstrittenen Ziele aus dem Text gestrichen, darunter den Artikel 6 über die Begrenzung der Produktion. Kaum einer sah darin eine Verhandlungsbasis für einen Abschlusstext.
Selbst die Erdölländer waren nicht zufrieden: Saudi-Arabien kritisierte im Namen der Gruppe andere Paragrafen, die etwa die Forschung an Plastikalternativen oder eine Haftung von Plastikproduzenten empfahlen.
Die Dringlichkeit des Problems wird durch zahlreiche wissenschaftliche Studien untermauert. Plastikabfälle vergiften Ökosysteme, töten Meerestiere und gefährden letztlich die menschliche Gesundheit. Winzige Nano- und Mikroplastikpartikel werden mittlerweile nicht nur in der Luft und im Wasser, sondern auch in menschlichen Organen und sogar im Gehirn nachgewiesen. Dort können sie das Immunsystem beeinträchtigen und Entzündungen fördern.
Die Dimensionen der Krise sind gewaltig. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums hat sich die Kunststoffproduktion von den 1970er-Jahren bis 2020 auf 367 Millionen Tonnen pro Jahr versiebenfacht. Ohne entschlossene Gegenmaßnahmen könnte die jährliche Produktion bis 2050 auf fast 600 Millionen Tonnen ansteigen. Von den insgesamt 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff, die bislang produziert wurden, sind bereits 6,3 Milliarden Tonnen Abfall geworden, der größtenteils auf Deponien gelandet ist. In Flüssen und Ozeanen haben sich Schätzungen zufolge weltweit 152 Millionen Tonnen Plastikabfälle angesammelt.











