UN-Konferenz

Nach drei Jahren zäher Verhandlungen steht fest: Es wird vorerst kein Abkommen gegen Plastikmüll geben. Bei der UN-Konferenz in Genf konnten sich die Staaten nicht auf einen globalen Vertrag einigen.

Globales Abkommen gegen Plastikmüll vorerst gescheitert


Der geplante globale Vertrag zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung ist vorerst gescheitert. Zwar wollte in den frühen Morgenstunden am Freitag in Genf niemand von einem Scherbenhaufen sprechen, doch das Ergebnis der gut zehn Tage langen Abschlussverhandlungen der Diplomaten aus rund 180 Ländern ist dürftig.

Es soll aber weitergehen. „Diese 5. Sitzung wird vertagt und zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt“, sagte der Konferenzvorsitzende am Freitagmorgen nach einem Verhandlungsmarathon durch die ganze Nacht. Ein Datum nannte er nicht. 

„Die Welt braucht dringend eine Einigung“, sagte die EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall, die vorher ihre Enttäuschung über das Ergebnis zum Ausdruck gebracht hatte. Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, sagte: „ch hätte mir mehr gewünscht, und mehr wäre möglich gewesen. Die unterschiedlichen Interessen liegen aber noch immer weit auseinander.“ Es lohne sich aber weiterzuverhandeln.

„Kein Abkommen ist in diesem Fall besser als eines, das den Status quo auf UN-Ebene zementiert, anstatt eine echte Lösung für die Plastik-Krise zu sein“, sagte Florian Tize von der Umweltstiftung WWF.

Widerstand der Öl-Staaten

Bei den Verhandlungen standen sich zwei Parteien gegenüber. Auf der einen Seite mehr als 100 Länder mit besonders ehrgeizigen Zielen (High Ambition Coalition). Sie fordern eine Beschränkung der Plastikproduktion auf nachhaltigem Niveau. Zu ihnen gehören Deutschland, die EU sowie Dutzende Länder in Südamerika, Afrika und Asien. Sie wollen Einwegplastik wie Becher oder Besteck aus dem Verkehr ziehen und stattdessen Plastikprodukte zur Mehrfachverwendung sowie eine Kreislaufwirtschaft fördern.

Auf der anderen Seite vor allem die Länder, die über Öl verfügen, den Rohstoff für die Plastikproduktion. Dazu gehören Saudi-Arabien, der Iran und Russland. Sie nennen sich „Gruppe der Gleichgesinnten”. Sie möchten sich weitgehend auf ein besseres Abfallmanagement beschränken.

Empörung über Kompromisspapier 

Der Auftrag, den sich die UN-Länder 2022 selbst gegeben haben, war allerdings eigentlich klar: Das Mandat besagt, dass der Vertrag den gesamten Lebenszyklus des Plastiks umfassen solI – von der Produktion über das Design bis zur Entsorgung.

Doch was der Konferenzvorsitzende Luis Vayas Valdivieso am Mittwoch als Kompromisspapier vorlegte, empörte Dutzende Länder. Er hatte praktisch alle ehrgeizigen oder umstrittenen Ziele aus dem Text gestrichen, darunter den Artikel 6 über die Begrenzung der Produktion. Kaum einer sah darin eine Verhandlungsbasis für einen Abschlusstext.

Selbst die Erdölländer waren nicht zufrieden: Saudi-Arabien kritisierte im Namen der Gruppe andere Paragrafen, die etwa die Forschung an Plastikalternativen oder eine Haftung von Plastikproduzenten empfahlen. 

Die Dringlichkeit des Problems wird durch zahlreiche wissenschaftliche Studien untermauert. Plastikabfälle vergiften Ökosysteme, töten Meerestiere und gefährden letztlich die menschliche Gesundheit. Winzige Nano- und Mikroplastikpartikel werden mittlerweile nicht nur in der Luft und im Wasser, sondern auch in menschlichen Organen und sogar im Gehirn nachgewiesen. Dort können sie das Immunsystem beeinträchtigen und Entzündungen fördern.

Die Dimensionen der Krise sind gewaltig. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums hat sich die Kunststoffproduktion von den 1970er-Jahren bis 2020 auf 367 Millionen Tonnen pro Jahr versiebenfacht. Ohne entschlossene Gegenmaßnahmen könnte die jährliche Produktion bis 2050 auf fast 600 Millionen Tonnen ansteigen. Von den insgesamt 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff, die bislang produziert wurden, sind bereits 6,3 Milliarden Tonnen Abfall geworden, der größtenteils auf Deponien gelandet ist. In Flüssen und Ozeanen haben sich Schätzungen zufolge weltweit 152 Millionen Tonnen Plastikabfälle angesammelt.

320°/dpa/re

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