Sachsen

In Kamenz investiert die Firma Liofit drei Millionen Euro in ein neues Zentrum für die Reparatur und das Recycling von E-Bike-Batterien. Geplant ist auch eine Pilotanlage, die Reparatur und Recycling kombiniert.

Recycling von E-Bike-Akkus: Liofit baut neues Zentrum


Im sächsischen Kamenz entsteht ein neues Zentrum für die Reparatur, die Zerlegung und das Recycling von Fahrrad-Akkus mit einer Kapazität unter einer Kilowattstunde (kWh). Das Unternehmen Liofit will hierfür rund drei Millionen Euro investieren. Im kommenden Jahr soll der Neubau bezogen werden.

Lithium-Akkus unter 1 kWh sind typischerweise in E-Bikes, aber auch in Werkzeugen oder Laptops verbaut. Allein in Deutschland wurden zuletzt jährlich mehr als zwei Millionen Elektrofahrräder verkauft, deren Akkus mit Kapazitäten zwischen 400 und 800 Wattstunden das Herzstück bilden. In diesen Batterien schlummern strategisch wichtige Rohstoffe wie Lithium, Kobalt, Nickel, Mangan und Grafit, deren Gewinnung aufwendig ist und die Lieferketten belasten.

Das Vorhaben in der sächsischen Lausitz findet maßgebliche politische Unterstützung. Rund 1,38 Millionen Euro steuern der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und der Freistaat Sachsen bei. „Mit dem Neubau schaffen wir die Basis, um noch mehr Akkus vor der Verschrottung zu retten und damit aktiv Ressourcen zu schonen“, sagt Ralf Günther, Gründer und Geschäftsführer von Liofit. Der Bezug des neuen Standortes ist für das kommende Jahr geplant.

Das Geschäftsmodell von Liofit stellt die Reparatur an die erste Stelle. Seit der Gründung im Jahr 2013 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben über 110.000 Akkus instand gesetzt. Mithilfe eigens entwickelter Analysegeräte und Lösungen, die auf künstlicher Intelligenz basieren, wird der Zustand einzelner Batteriezellen bewertet, um eine Weiternutzung zu ermöglichen. Zu den Kunden zählen Privatpersonen ebenso wie Fahrradhändler und Akkuhersteller.

Nach Angaben des sächsischen Wirtschaftsministeriums ist Liofit das erste Unternehmen in Deutschland, das die Kompetenzen der Akkuproduktion und des Recyclings unter einem Dach bündelt. Diese Kombination soll künftig noch enger verzahnt werden. „Zusätzlich zum Tagesgeschäft wollen wir in den nächsten Monaten eine Pilotanlage für die Kombination von Reparatur und Recycling aufbauen – damit können wir endlich auch unsere neuesten Ergebnisse aus der Entwicklungsabteilung in der Produktion sichtbar machen“, kündigt Günther an.

320°/re

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