Kunststoffrecycling

Immer mehr Betriebe im Kunststoffrecycling müssen aufgeben. Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres ging fast so viel Recyclingkapazität verloren wie im gesamten Vorjahr. Branchenvertreter warnen vor einem Kollaps.

Kunststoffrecycling in Europa: Lage spitzt sich weiter zu


Die europäische Kunststoffrecyclingindustrie steht vor einer Zerreißprobe. Eine Welle von Betriebsschließungen erfasst den Sektor und bedroht damit eine strategisch wichtige Säule der europäischen Kreislaufwirtschaft. In einer Mitteilung warnt der Branchenverband Plastics Recyclers Europe vor einem bevorstehenden Zusammenbruch.

Die Zahlen des Verbands zeichnen ein düsteres Bild der Lage. Bis Ende 2025 rechnet die Organisation mit einem Rückgang der Recyclingkapazitäten um eine Million Tonnen im Vergleich zum Jahr 2023. Der Abwärtstrend beschleunigt sich dabei dramatisch: Allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2025 ging fast ebenso viel Kapazität verloren wie im gesamten Vorjahr und sogar dreimal mehr als 2023. Besonders stark betroffen von dieser Entwicklung sind den Angaben zufolge die Niederlande, Deutschland und das Vereinigte Königreich.

Recycler fordern Schutzmaßnahmen

Als Hauptursachen für die Krise identifiziert der Verband eine unheilvolle Mischung aus Billigimporten von Recyclingkunststoffen, sinkender Nachfrage nach Rezyklaten und erdrückender Bürokratie. „Um die Nachfrage nach EU-Rezyklaten wiederzubeleben und weitere Schließungen zu verhindern, müssen die politischen Entscheidungsträger dringend Handels- und Marktschutzmechanismen einführen, einheitliche EPR-Vorschriften sicherstellen und die Zertifizierung durch Dritte sowie harmonisierte Sanktionen für nicht konforme Materialien streng durchsetzen“, fordert der Verband.

Dies müsse mit Maßnahmen einhergehen, die den wirtschaftlichen Druck auf die Recycler mindern – wie etwa der Zugang zu kostengünstiger, sauberer Energie. Eine Verstärkung der Zollkontrollen und gezielte Investitionsanreize seien ebenfalls entscheidend für die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit des Sektors.

„Die Zeit zum Handeln ist jetzt gekommen“, mahnt der Verband. Ein Kollaps des europäischen Kunststoffrecyclingsektors, so die Warnung, würde den ökologischen Fortschritt des letzten Jahrzehnts unumkehrbar zunichtemachen und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Europas sowie das Erreichen seiner Klimaziele ernsthaft infrage stellen.

Erst vor Kurzem hatte auch der deutsche Entsorgerverband bvse Alarm geschlagen. Die industrielle Nachfrage habe sich in den vergangenen zwei Jahren spürbar abgeschwächt, was zu einem deutlichen Preisverfall bei Primärkunststoffen und Rezyklaten geführt habe, hieß es. Auch der bvse fordert Maßnahmen zum Schutz der Kunststoffrecycler, darunter der Zugang zu kostengünstiger Energie, finanzielle Anreize für Rezyklate sowie Maßnahmen, um sicherzustellen, dass importierte Produkte dieselben Nachhaltigkeits-, Umwelt- und Sicherheitsstandards einhalten wie europäische Erzeugnisse.

320°/sr

Mehr zum Thema
Referentenentwurf: EBV soll einfacher werden
460 Seiten für die Kreislaufwirtschaft
Acht Empfehlungen für das neue Textilgesetz
Diese Leiterplatte löst sich in Wasser auf
Ammoniak aus Urin und Asche – kann das funktionieren?
SAP-Erben investieren in Wasserstoff aus Müll
Wie belastbar sind Geotextilien aus Rezyklat?
Vapes zurück in den Handel: München macht den Test
Rezyklat im Auto: TecPart warnt vor Engpass
Plastikabgabe: Industrie fürchtet Importwelle
Wie Eisenpulver immer wieder zum Brennstoff wird
Fünf Jahre Plastikverbot, viele Lücken