Munitionsaltlasten
Der Rüstungskonzern Rheinmetall plant in Schwaben den Bau einer Anlage zur Vernichtung von Altmunition. Ab 2026 sollen dort Bomben, Granaten und Minen tonnenweise unschädlich gemacht werden. In der Ostsee beginnen unterdessen erste Bergungsarbeiten.
Rheinmetall vernichtet Altmunition in neuer Anlage
Es ist eine stille, bewaldete Anhöhe im bayerischen Schwaben, der sogenannte Lerchenberg bei Zusamaltheim. Unter der Erde verbergen sich 32 Betonbunker, Relikte aus einer dunklen Vergangenheit. Wo einst das NS-Regime Rüstungsgüter produzierte und später die Bundeswehr ein Depot unterhielt, soll nun ein neues Kapitel der militärischen Nutzung aufgeschlagen werden – eines, das auf Beseitigung statt auf Zerstörung abzielt.
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall hat das 41 Hektar große Gelände erworben, um eine der größten Anlagen zur Vernichtung von Altmunition in Europa zu errichten. Ab Anfang 2026 sollen hier Kampfmittel aller Art zerlegt und entsorgt werden, darunter an Land und im Meer geborgene Munition sowie Altbestände der Bundeswehr.
Lagerung von bis zu 900 Tonnen Explosivstoffen
Die Dimension der Aufgabe, vor der Deutschland steht, ist gewaltig. „Auf dem Grund von Nord- und Ostsee werden etwa 1,6 Millionen Tonnen Munitionsaltlasten vermutet“, teilte Rheinmetall mit. Artilleriegranaten, Grund- und Seeminen sowie Fliegerbomben rosten auf dem Meeresgrund vor sich hin und setzen mit der Zeit giftige Stoffe frei. Sie stellen eine stetig wachsende Gefahr für die maritime Umwelt, die Schifffahrt und den Bau von Offshore-Anlagen dar.
Aber auch das Festland ist betroffen. Noch immer liegen unzählige Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden verborgen. Allein für Süddeutschland schätzt der Konzern die Menge der zu entsorgenden Munition auf mehr als 20.000 Tonnen.
Das neue Werk in Zusamaltheim ist für Rheinmetall ein strategischer Schritt. Die 32 Bunker auf dem Lerchenberg ermöglichen die sichere Lagerung von bis zu 900 Tonnen Explosivstoffen. Erst vor wenigen Monaten hat der Konzern das international tätige Munitionsbergungsunternehmen Stascheit aus Gardelegen in Sachsen-Anhalt übernommen. Das Unternehmen ist unter anderem darauf spezialisiert, den Meeresboden nach Kampfmitteln abzusuchen und diese zu bergen, wenn Offshore-Windparks gebaut werden.
30-tägiges Pilotprojekt
Mitte August ist unterdessen das erste Pilotprojekt zur Munitionsbergung an der mecklenburgischen Ostseeküste vor Boltenhagen angelaufen. Innerhalb von 30 Tagen sollen aus einer Tiefe von rund 22 Metern bis zu 15 Tonnen Altmunition aus dem Zweiten Weltkrieg vom Meeresgrund geholt werden.
„Wir wissen nicht genau, was uns dort unten erwartet“, sagte Eyk-Uwe Pap, Chef des ausführenden Unternehmens Baltic Taucherei- und Bergungsbetrieb Rostock. Die sichtbare Munition sei nur die Spitze des Eisbergs. Der Großteil der 80 Jahre alten Kampfmittel, darunter Granaten und Panzerfäuste, dürfte unter meterhohem Sediment und Schlamm liegen.
Pap schätzt das Gesamtvolumen auf knapp 1.000 Tonnen. Die 30-tägige Aktion bei Großklützhöved vor Boltenhagen (Landkreis Rostock) ist Teil des Sofortprogramms Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee, für die insgesamt 100 Millionen Euro aus Bundesmitteln zur Verfügung stehen. Die Kosten für die Bergung vor Boltenhagen werden auf rund fünf Millionen Euro beziffert.
Die Räumungsarbeiten sollen rund um die Uhr laufen. Das Team arbeitet dabei in zwei Schichten zu je 24 Mitarbeitern. Zum Schlafen werden sie mit Crew-Schiffen an Land gebracht. Auf der Spezialplattform „Baltic Lifts“ sind mehrere Tauchaufzüge, die die Taucher auf 22 Meter Tiefe bringen. Anschließend wird sie per Schiff nach Wismar gebracht und von dort aus über den Landweg in eine Entsorgungsanlage des Bundes transportiert.


