Wirtschaftliche Schäden

In Müllverbrennungsanlagen kommt es immer häufiger zu Explosionen. Der Grund sind unsachgemäß entsorgte Lachgas-Kartuschen. Nun schlägt die Branche Alarm. Sie fordert ein Pfandsystem.

Entsorger fordern Pfandsystem für Lachgas-Kartuschen


Ein lauter Knall, eine Druckwelle, dann Stillstand. Fast täglich erschüttern Explosionen die Kesselanlagen von Müllverbrennungsanlagen. Der Auslöser sind kleine, silberne Kartuschen, gefüllt mit Distickstoffmonoxid (N2O), besser bekannt als Lachgas.

Das Gas, das vor allem bei Jugendlichen als Partydroge beliebt ist, entwickelt sich zu einem ernsten Problem für die Abfallwirtschaft. „Bis zu 50 Explosionen in der Woche“ verzeichne man allein in der Berliner Kesselanlage, erklärte Martin Renner, Leiter der thermischen Abfallbehandlung bei der BSR, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Die Gasflaschen, die häufig achtlos im Restmüll landen, besitzen kein Sicherheitsventil. Dadurch kann sich in der Hitze der Verbrennungsöfen ein enormer Druck aufbauen, der unweigerlich zur Detonation führt.

Die wirtschaftlichen und betrieblichen Folgen sind erheblich. Allein bei der BSR summierten sich die Schäden durch Lachgasexplosionen in diesem Jahr bis Mitte September auf rund vier Millionen Euro. Die Ausfälle der Kesselanlagen beliefen sich auf 760 Betriebsstunden. Zudem kam es zu zwei Vorfällen, bei denen Mitarbeiter gesundheitsschädliches Rauchgas einatmeten. Aus diesem Grund wird der Inhalt öffentlicher Papierkörbe inzwischen nicht mehr verbrannt, sondern in einer mechanischen Anlage geschreddert.

Entsorger fordern Pfandsystem

Berlin ist kein Einzelfall. Das Problem betrifft Entsorger in der gesamten Bundesrepublik, wie Annika Belisle von der Interessengemeinschaft der thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland (ITAD) bestätigt. Eine Umfrage unter den 92 von der ITAD vertretenen Anlagen aus dem Jahr 2024 ergab, dass mehr als die Hälfte (57 %) eine Zunahme von Explosionen registriert hat. Nicht immer lasse sich die Ursache eindeutig klären, doch der Verdacht fällt häufig auf die omnipräsenten Lachgaskartuschen.

Die Wurzel des Problems liegt in der leichten Verfügbarkeit und dem sorglosen Umgang mit der Substanz. Lachgas kann legal an Kiosken, in Automaten oder im Internet erworben und anschließend über Luftballons konsumiert werden. „Es ist viel zu leicht erhältlich“, kritisiert Marc Pestotnik, Referent der Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin. Obwohl das Suchtpotenzial als gering gilt, sind die gesundheitlichen Risiken erheblich. Sie reichen von Ohnmacht bis hin zu dauerhaften Nervenschädigungen.

Angesichts der bedrohlichen Lage hat die Bundesregierung einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der den Erwerb und Besitz von Lachgas für Minderjährige verbieten soll. Den Entsorgern geht dieser Schritt jedoch nicht weit genug. Sie fordern zusätzlich ein bundesweites Pfandsystem für die Gaskartuschen, um einen Anreiz für die korrekte Rückgabe zu schaffen. Eine verpflichtende Kennzeichnung auf den Flaschen soll zudem klar über den richtigen Entsorgungsweg informieren.

Die Regeln dafür sind eigentlich klar. Vollständig entleerte Kartuschen gehören in die Gelbe Tonne. Flaschen, die noch Gas enthalten, müssen als Sondermüll bei den entsprechenden Sammelstellen abgegeben werden.

320°/dpa/re

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