Chemischer Prozess
Alte Möbel und Bauteile aus Holz landen meist in der Verbrennung. Ein neues chemisches Verfahren des Fraunhofer-Instituts IAP könnte das ändern. Es ermöglicht erstmals, Spanplatten zu 100 Prozent wiederzuverwerten.
So werden Spanplatten vollständig recycelbar
Ob in Regalen, Küchenzeilen oder im Innenausbau – Holzspanplatten sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Bislang endete ihr Lebenszyklus jedoch meist als Brennstoff in Heizkraftwerken. Allein in Deutschland fallen jährlich rund acht Millionen Tonnen Altholz an, von denen jedoch nur 15 bis 20 Prozent stofflich verwertet werden.
Einem Forschungsteam des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam ist nun ein Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft gelungen. In Zusammenarbeit mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft haben die Forscher ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Altholz aus Spanplatten vollständig recyceln lässt. Aus dem wiedergewonnenen Material lassen sich neue Platten herstellen, die qualitativ mit herkömmlichen Produkten vergleichbar sind.
Die Chemie hinter dem Kreislauf
Die Wissenschaftler verwenden dafür einen chemischen Prozess, der den ursprünglich in den Platten eingesetzten Leim reaktiviert. „Wir nehmen Holz gebrauchter Möbel oder Bauteile, das zerkleinert wurde, behandeln es in einem neuartigen Prozess mit einem eigens entwickelten Recyclingagenz und pressen daraus neue, formstabile Platten“, erklärt Projektkoordinator Mathias Köhler vom Fraunhofer IAP. Das Besondere daran: Der alte Harz-Klebstoff wird dabei teilweise gelöst und wieder nutzbar gemacht.
Dieses Vorgehen spart nicht nur den Einsatz neuer Späne und Klebstoffe, sondern schont auch die Umwelt. „Das Recyclingagenz lässt sich zu etwa 95 Prozent zurückgewinnen und kann mehrfach eingesetzt werden, ohne an Wirksamkeit zu verlieren“, so Köhler. Das Verfahren wurde vom Labor in den Technikumsmaßstab des Fraunhofer-Pilotanlagenzentrums für Polymersynthese und -verarbeitung PAZ überführt und kann auf herkömmlichen Industrieanlagen zur Plattenherstellung angewendet werden.
Praxistest bestanden, Partner gesucht
Ein erster Prototyp zeigt, dass die Methode in der Praxis funktioniert. Gemeinsam mit der System 180 GmbH, einem Hersteller für Einrichtungssysteme, fertigte das Projektkonsortium einen Möbeldemonstrator aus den recycelten Platten. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) führte dazu die notwendigen Emissionsmessungen durch, während die PreZero Holz GmbH die Wirtschaftlichkeit des Prozesses bewertete.
Nun sucht das Team nach weiteren Partnern, um das Verfahren zur Marktreife zu bringen. „Insbesondere Sortierer und Recycler sowie Hersteller von Harzen, Holzwerkstoffen oder Möbeln sind eingeladen, sich zu beteiligen“, erklärt Köhler. Francesco Coccia, Leiter der Vermarktung bei System 180, sieht großes Potenzial: „Für uns als Hersteller individueller Möbellösungen eröffnet das Verfahren neue Wege, um nachhaltiges Design mit funktionaler Qualität zu verbinden.“









