Beschluss im Bundestag

Mediziner warnen vor Nervenschäden, Entsorger vor Explosionen in ihren Anlagen. Die Partydroge Lachgas kann gefährliche Folgen haben. Der Bundestag hat nun ein Gesetz beschlossen, um den Trend zu stoppen.

Entsorgungswirtschaft begrüßt Lachgas-Verbot


Der Bundestag hat am Donnerstag ein bundesweit geltendes Verbot des Erwerbs und des Besitzes von Lachgas für Minderjährige verabschiedet. Der Online-Handel und der Kauf an Selbstbedienungsautomaten werden sogar komplett untersagt. Wenn auch der Bundesrat zustimmt, könnte die Regelung im Frühjahr in Kraft treten.

Lachgas ist seit einiger Zeit als Partydroge auf dem Vormarsch. Der euphorisierende Stoff, der in der Medizin als leichtes Betäubungsmittel zum Einsatz kommt, wird dabei über Luftballons eingeatmet. Dabei kann es jedoch zu Halluzinationen und Bewusstlosigkeit kommen, längerfristig drohen zudem dauerhafte Nervenschäden.

Zustimmung aus der Entsorgungswirtschaft

Der Entsorgerverband BDE begrüßt das Gesetzesvorhaben. „Das Verbot ist ein überfälliger Schritt zum Schutz von Jugendlichen und zur Entlastung der Entsorgungswirtschaft“, sagt BDE-Präsidentin Anja Siegesmund. Lachgas sei nicht nur gesundheitlich hochgefährlich, sondern stelle durch unsachgemäße Entsorgung auch ein erhebliches Risiko für Müllwerker und Abfallanlagen dar. „Wir sehen täglich die Folgen: explodierende Kartuschen, beschädigte Fahrzeuge und gefährdete Mitarbeitende.“

Der Verband hatte im Juli ein umfassendes Maßnahmenpaket gefordert, darunter ein Pfandsystem für Druckgasflaschen ab 200 ml, das bislang aber nicht umgesetzt wurde. „Die Erfahrungen aus unseren Nachbarländern zeigen: Ohne Pfandlösung und technische Sicherheitsvorgaben wie Entleerungs- und Überdruckventile bleibt das Problem bestehen“, so Siegesmund.

Auch die Hamburger Stadtreinigung befürwortet den Beschluss des Bundestags. „Wir unterstützen jede Initiative, die den Konsum von Lachgas und damit auch die gefährliche Fehlentsorgung der Hochdruckbehälter eindämmt“, sagte ein Unternehmenssprecher der dpa. In den Entsorgungsanlagen der Stadtreinigung sind in diesem Jahr bereits mehrfach Lachgaskartuschen explodiert. Das habe zu einem Betriebsausfall von mehreren hundert Stunden geführt. Außerdem verursachen die explodierenden Lachgasbehälter hohe Schäden. Die Stadtreinigung spricht von einem Schaden im Millionenbereich.

Im Mai hat das städtische Unternehmen eine Kampagne ins Leben gerufen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Der Appell: Die Lachgas-Kartuschen im Gelben Sack oder auf dem Recyclinghof entsorgen – und das vollständig entleert. Die Gasflaschen gehörten nicht in öffentliche Papierkörbe oder den Restmüll. 

320°/dpa/re

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