IFAT 2026

Rohstoffe sind längst zu geopolitischen Machtinstrumenten geworden. Sicherheitsexperte Wolfgang Ischinger sieht deshalb die Kreislaufwirtschaft als Schutz gegen Marktverwerfungen. Die Deutschen sehen das ähnlich – fühlen sich aber schlecht informiert.

„Kreislaufwirtschaft wird zum geopolitischen Stabilitätsfaktor“


Es ist selten, dass Begriffe aus der militärischen Strategie ihren Weg in die Hallen der Abfall- und Rohstoffwirtschaft finden. Ursprünglich beschreibt der Begriff „Green Defense“ vor allem die Bemühungen der NATO, den ökologischen Fußabdruck von Streitkräften zu reduzieren und Kasernen energieeffizienter zu betreiben. Doch die Semantik verschiebt sich. Heute nutzt die Umweltmesse IFAT Munich den Begriff, um auf die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für die Rohstoffsicherung hinzuweisen.

„Circularity ist mehr als Umweltschutz – sie ist Teil unserer Green Defense“, sagt Phillip Eisenmann, Exhibition Director IFAT Munich. „In einer Welt, in der über 90 Prozent unserer Rohstoffe importiert werden, wird Ressourcensouveränität zur neuen Sicherheitsfrage für Deutschland.“ Die Umwelttechnologie sei das „Rückgrat wirtschaftlicher Resilienz und geopolitischer Stabilität“.

Unterstützung für diese These kommt von prominenter Stelle. Wolfgang Ischinger, langjähriger Diplomat und Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, sieht die Rohstoffpolitik als Teil der Sicherheitsarchitektur. „Rohstoffe sind Machtinstrumente – Abhängigkeit bedeutet Verwundbarkeit“, sagte er.

Ischinger plädiert für einen pragmatischen Ansatz: Wer Seltene Erden aus Altgeräten zurückgewinnt, statt sie zu volatilen Preisen auf dem Weltmarkt zu kaufen, stärke die eigene technologische Souveränität. Stahl, Aluminium oder Kupfer im Kreislauf zu halten, sei der beste Schutz gegen Marktverwerfungen. Für Ischinger steht fest: „Green Defense heißt: Kreislaufwirtschaft wird zum geopolitischen Stabilitätsfaktor.“

Mehrheit begreift Kreislaufwirtschaft als wachstumsfördernd

Eine neue Umfrage im Auftrag der Umweltmesse IFAT Munich zeigt, dass die Bundesbürger diese Sichtweise teilen. Laut dem „IFAT Circularity Monitor“, einer repräsentativen YouGov-Umfrage, bewerten 73 Prozent der Bundesbürger die Kreislaufwirtschaft als wichtig für die nationale Rohstoffsicherheit. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht in ihr zudem einen Taktgeber für neues Wirtschaftswachstum.

Grafik: IFAT Munich

Doch die Erhebung offenbart auch eine eklatante Diskrepanz zwischen Problembewusstsein und eigenem Wissensstand. So geben 83 Prozent der Befragten an, sich schlecht oder nur ausreichend über den Themenkomplex informiert zu fühlen. Der Bürger will die Unabhängigkeit, weiß aber kaum, wie sie technisch funktionieren soll.

Optimismus in der Wirtschaft

Trotz dieser Wissenslücken ist die Angst vor negativen Folgen gering. Lediglich zehn Prozent der Deutschen befürchten, dass eine strikte Kreislaufwirtschaft der heimischen Wirtschaft schaden könnte.

Grafik: IFAT Munich

Auch in den Chefetagen der Unternehmen überwiegt der Optimismus gegenüber der Sorge vor bürokratischer Überregulierung. Laut einer B2B-Erhebung erwarten 88 Prozent der Firmen, dass eine konsequent umgesetzte Zirkularität zum wirtschaftlichen Aufschwung beitragen kann.

320°/re

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