Erteilte Genehmigung
Auf einem ehemaligen Hüttengelände im Harz entsteht Deutschlands erste thermische Anlage zur Reinigung von teerhaltigem Asphalt. Das Verfahren verspricht, wertvolles Baumaterial zurückzugewinnen. Mit dem Bau kann nun begonnen werden.
Erste thermische Aufbereitungsanlage für teerhaltigen Asphalt
Es ist ein Erbe, das auf tausenden Kilometern deutscher Straßen schlummert. Bis zum Verbot in Westdeutschland im Jahr 1984 war Teer häufig genutzter Baustoff im Straßenbau. Was damals als fortschrittlich galt, ist heute ein massives Umweltproblem: Der Asphalt enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, die als krebserregend gelten. Werden Straßen saniert, gilt stark PAK-belasteter, teerhaltiger Straßenaufbruch als gefährlicher Abfall.
Die Entsorgungswege waren bislang unbefriedigend: Entweder landete der belastete Aufbruch auf Deponien oder er musste aufwendig in die Niederlande exportiert werden. Dort betreibt das Unternehmen REKO in Rotterdam industrielle Anlagen zur thermischen Reinigung. In Deutschland und in anderen EU-Ländern suchte man eine solche Technologie bislang vergeblich.
Das soll sich nun ändern. Wie das niedersächsische Umweltministerium bestätigte, entsteht im Harz Deutschlands erste Anlage zur thermischen Aufbereitung von teerhaltigem Asphalt. Das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig erteilte am 3. Dezember die Genehmigung für das Projekt.
Die Anlage wird auf einem rund 40 Hektar großen, ehemaligen Hüttengelände zwischen Goslar-Oker und Harlingerode errichtet. Wo früher klassische Schwerindustrie dominierte, soll nun ein moderner Recyclingstandort wachsen. Verantwortlich für den Bau und Betrieb ist die IVH Industriepark und Verwertungszentrum Harz GmbH.
Kern der Anlage ist ein neu entwickeltes Verfahren, das den teerhaltigen Straßenaufbruch bei rund 600 °C behandelt. Die Hitze zerstört die Schadstoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und andere organische Verbindungen vollständig. Was übrig bleibt, ist laut Ministerium eine schadstofffreie Gesteinskörnung. Dieser gereinigte Schotter kann anschließend als vollwertiger Sekundärrohstoff wieder im Straßenbau oder künftig in der Betonproduktion genutzt werden. Der Bedarf an frischem Gestein aus Steinbrüchen sinkt entsprechend.
Inbetriebnahme für Ende 2027 geplant
Jährlich sollen im Harz bis zu 135.000 Tonnen des belasteten Materials verarbeitet werden. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 30 Millionen Euro. Auch der Bund beteiligt sich an der Finanzierung: Das Bundesumweltministerium steuert über sein Umweltinnovationsprogramm einen Zuschuss von gut vier Millionen Euro bei.
Wenn alles nach Plan läuft, soll die Anlage Ende 2027 in Betrieb gehen. Für den niedersächsischen Umweltminister Christian Meyer (Grüne) ist das Projekt ein Durchbruch. „Die Genehmigung für Deutschlands erste thermische Asphaltaufbereitungsanlage, die Schadstoffe zerstört, ist ein wichtiger Schritt hin zu einer umwelt- und klimaschonenden Kreislaufwirtschaft“, sagte Meyer. Das Vorhaben im Harz zeige, dass solche Lösungen nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich tragfähig seien.


