Konkurrenzdruck

Billigimporte aus Asien setzen die Elektrobandfertigung von Thyssenkrupp unter Druck. Diese Spezialstähle werden unter anderem für Windkraftanlagen benötigt. Jetzt stehen drastische Maßnahmen bevor.

Thyssenkrupp stoppt Elektrobandproduktion bis Jahresende


Wegen hoher Importmengen an Billigstahl und eines angespannten Marktumfelds wird Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssenkrupp Steel seine Produktion für sogenanntes kornorientiertes Elektroband zeitweise stilllegen. Wie die Stahl-Sparte in Duisburg mitteilte, werden die Werke in Gelsenkirchen und im französischen Isbergues ab Mitte Dezember bis zum Jahresende vollständig geschlossen.

Darüber hinaus wird der Standort Isbergues ab Januar für mindestens vier Monate nur mit 50 Prozent seiner Gesamtkapazität produzieren. Man reagiere damit auf stark gestiegene, Importmengen insbesondere aus Asien, die „deutlich unter den durchschnittlichen Produktionskosten in der EU liegen“.

Thyssenkrupp Electrical Steel stellt Spezialstähle für die Energiewirtschaft her. Das kornorientierte Elektroband wird für den Stromtransport verwendet und kommt etwa in Transformatoren in Umspannwerken und Windkraftanlagen zum Einsatz. In Europa gibt es nach Unternehmensangaben nur noch zwei Hersteller dieser Spezialstähle.

„Erhebliche Unterauslastung der europäischen Produktionsanlagen“

Die Importe günstiger Auslandsstähle haben sich nach Unternehmensangaben seit 2022 verdreifacht und sind in diesem Jahr nochmals um 50 Prozent angestiegen. Dies habe zu einer „dramatischen Veränderung der Auftragsvolumina und somit zur erheblichen Unterauslastung der europäischen Produktionsanlagen geführt“. In der Folge seien „akute Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Betriebs unverzichtbar“.

„Kornorientiertes Elektroband ist für die europäische Energieinfrastruktur und die Energiewende unverzichtbar“, sagte Stahlchefin Marie Jaroni. „Wir setzen uns nachdrücklich für die Aufrechterhaltung der Produktion in Europa ein und bemühen uns derzeit um einen wirksamen Marktschutz, um faire Wettbewerbsbedingungen für dieses strategisch wichtige Produkt zu gewährleisten.“ Dabei gehe es auch um die Sicherung von 1.200 Arbeitsplätze in Gelsenkirchen und Isbergues.

320°/dpa

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