Wärmeauskopplung
Deutschland soll bis 2045 klimaneutral heizen, doch die Stadt Lünen schafft das bereits im Jahr 2028. Dabei hilft das bestehende Biomassekraftwerk vor Ort. Die Anlage wurde aufgerüstet und dient nun auch als Fernwärmequelle.
Biomassekraftwerk Lünen liefert auch Fernwärme
Seit fast zwanzig Jahren werden in den Turbinen des Biomassekraftwerks Lünen Altholzreste zu Strom verbrannt. Mit einer elektrischen Leistung von 20 Megawatt (MW) können rechnerisch 60.000 Haushalte mit grünem Strom versorgt werden. Nun soll die Anlage eine zweite Aufgabe übernehmen. Künftig wird sie auch Fernwärme für Haushalte liefern und damit das lokale Steinkohlekraftwerk schrittweise ersetzen.
Die BMK Biomassekraftwerk Lünen GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Iqony Energies und Remondis, rüstet dafür ihre Anlage mit einer sogenannten Wärmeauskopplung aus. Ein neuer Heizkondensator überträgt die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Lünen. Zusätzlich wird ein neues Heizwerk errichtet. Beide Quellen zusammen sollen bis zu 90.000 Megawattstunden (MWh) klimafreundliche Wärme pro Jahr bereitstellen – genug, um etwa 16.500 Haushalte zu versorgen.
Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 15 Millionen Euro. „Bislang kommt ein großer Teil der Wärme aus dem lokalen Steinkohlekraftwerk. Mit dem Rückgriff auf das neue Biomasse-Heizkraftwerk verbessert sich die Klimabilanz erheblich. Die Fernwärme wird grüner, bleibt sicher, und zugleich investieren wir massiv in den Standort Lünen“, sagt Andreas Böffel, Geschäftsführer der BMK von Iqony Energies.
Lünen wird früher klimaneutral als vorgegeben
In Deutschland existieren nach Branchenangaben mehr als 700 Holz- und Biomassekraftwerke. Sie deckten im Jahr 2024 zusammen rund 8,5 Prozent des nationalen Strombedarfs. Die Technik gilt als verlässliche Ergänzung zu wetterabhängigen Energiequellen wie Wind- und Solarenergie, da sie kontinuierlich Strom und Wärme liefern kann.
Die Wärmewende zählt zu den größten Herausforderungen der deutschen Energiepolitik. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung lag 2024 bundesweit bei lediglich 18,1 Prozent – ein deutlich langsamerer Fortschritt als im Stromsektor. Dort stammen bereits mehr als 60 Prozent aus regenerativen Quellen. Mehr als zwei Drittel der erneuerbaren Wärme in Deutschland wird aus Biomasse gewonnen.
Laut Klimaschutzgesetz muss Deutschland bis 2045 klimaneutral sein. Der Gesetzentwurf zur kommunalen Wärmeplanung sieht vor, dass neue Wärmenetze ab 2024 mindestens 65 Prozent erneuerbare Wärme einspeisen müssen. Bestandsnetze sollen bis 2040 einen Anteil von 50 Prozent erreichen. Bis zum Jahr 2045 müssen alle Wärmenetze (neu wie alt) vollständig klimaneutral betrieben werden.
Mit der Umrüstung des Biomassekraftwerks wird Lünen diese Vorgaben schon deutlich früher einhalten. „Durch die Auskopplung von Wärmeenergie aus dem Biomassekraftwerk stellen wir die Fernwärmeversorgung bereits im Laufe des Jahres 2028 auf erneuerbare Wärme um“, erklärt Urs Reitis, ebenfalls Co-Geschäftsführer der Stadtwerke Lünen. „Damit wird die Fernwärme in Lünen deutlich vor dem bundesweit angestrebten Zieljahr 2045 klimaneutral.“


