Neue Studie
Etwa 53.000 Müllteile passieren täglich die Stadt Köln auf dem Rhein. Eine neue Studie dokumentiert erstmals über zwölf Monate hinweg, was im Fluss treibt – und woher es stammt. Die Ergebnisse weichen stark von früheren Schätzungen ab.
Rhein transportiert mehr Müll als gedacht
Der Rhein transportiert viel mehr Müll als bisher angenommen. An Köln vorbei treiben einer Studie zufolge jedes Jahr zwischen 3.000 und 4.700 Tonnen Müll mit einer Länge von mindestens einem Zentimeter. Dies sei drastisch mehr als in manchen früheren Schätzungen, schreiben Forschende der Universitäten Bonn und Tübingen im Fachmagazin „Communications Sustainability“. Es gehe um 53.000 Müllteile pro Tag, sagte Studienleiterin Leandra Hamann von der Universität Bonn der Deutschen Presse-Agentur.
An der Studie waren neben Forschenden auch zahlreiche Freiwillige beteiligt, sogenannte „Citizen Scientists“. Sie treffen sich jeden zweiten Samstag am Kölner Rheinufer, um Müll zu sortieren, zu wiegen und zu fotografieren. Manche bringen ihre Kinder mit, andere sind Rentner. Bei jedem Wetter dokumentieren sie, was die schwimmende Müllfalle „RheinKrake“ aus dem Fluss gefischt hat.
„Die eigentliche Arbeit machen die Freiwilligen“
Die „RheinKrake” ist eine drei Meter breite und 80 Zentimeter tiefe Müllfalle, die sogenannten Makromüll auffängt. Der Verein K.R.A.K.E. betreibt die Anlage und koordiniert die Auswertung der Daten durch Ehrenamtliche.
„Die eigentliche harte Arbeit machen die Freiwilligen“, erläutert Studienleiterin Hamann. „Das sind Personen, die das in ihrer Freizeit machen. Diese Handarbeit könnte sonst niemand finanzieren.“ Im Untersuchungszeitraum von November 2022 bis November 2023 wurden insgesamt 17.523 Abfallstücke mit einer geschätzten Gesamtmasse von 1.955 Kilogramm erfasst und kategorisiert.
Die Zusammensetzung des Treibguts zeigt ein differenziertes Bild. Rund 70 Prozent der einzelnen Teile bestanden aus Kunststoffen, die jedoch nur 15 Prozent des Gesamtgewichts ausmachten. Mehr als die Hälfte aller gefundenen Objekte stammte von privaten Verbrauchern, etwa 28 Prozent davon standen im Zusammenhang mit Lebensmitteln oder Getränken.
Weinflaschen, Sektflaschen und Flaschendeckel machen einen erheblichen Teil des Treibguts aus – teilweise auch Pfandflaschen. „Da ist also noch Luft nach oben“, sagt Hamann. „Man könnte das Pfand erhöhen, sodass die Motivation höher ist, die leergetrunkene Flasche eben nicht am Ufer liegenzulassen.“
Wie die Studie zudem zeigt, schwankt die Abfallmenge übers Jahr hinweg stark. Etwa zehn Prozent aller im Untersuchungszeitraum aus dem Fluss gefischten Gegenstände waren Feuerwerkskörper. „Wenn man sich klarmacht, dass das nur an einem einzigen Tag abgefeuert wird, dann ist das schon der Wahnsinn“, meint die Biologin.
Weitere Auswertung geplant
Inzwischen arbeiten die Forschenden an einer weiteren Auswertung. Im Fokus steht dabei die Wirksamkeit regulatorischer Maßnahmen. „Es kam ja etwa vor zwei Jahren die EU-Vorgabe mit den befestigten Flaschendeckeln. Da wäre es interessant zu schauen, ob und wie stark sich das auswirkt“, sagt Hamann.
Die Bandbreite der gefundenen Gegenstände reicht unterdessen weit über Verpackungsmüll hinaus. „Wir haben auch schon mal ein Portemonnaie mit mehreren Personalausweisen gefunden und aufs Fundbüro gebracht“, berichtet Hamann. Von Kinderspielzeug bis Sexspielzeug finde sich im Rhein nahezu alles.

