Neuer Standort in China

Nach Ludwigshafen und Antwerpen entsteht in China der drittgrößte BASF-Verbundstandort. Dort ist nun ein neuer Steamcracker in Betrieb gegangen. Seine Besonderheit: Die Hauptkompressoren werden vollständig mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben.

BASF startet weltweit ersten Steamcracker mit grünem Antrieb


In der südchinesischen Provinz Guangdong hat BASF vor wenigen Tagen einen Steamcracker in Betrieb genommen, der eine Besonderheit in der globalen Petrochemie darstellt. Die Hauptkompressoren der Anlage – sogenannte E-Drives – werden vollständig mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben. Es sei der erste Cracker weltweit, der so angetrieben werde, teilt BASF mit. 

Die neue Anlage bildet das technologische Zentrum des neu errichteten BASF-Verbundstandorts in Zhanjiang. Dort werden langkettige Kohlenwasserstoffe wie Naphtha oder Butan mithilfe von Dampf bei Temperaturen von rund 850 °C aufgespalten. Dabei entstehen Basischemikalien wie Ethylen und Propylen, die an mehrere nachgelagerte Produktionsanlagen geliefert werden. Die Kapazität des neuen Steamcrackers beträgt 1,2 Millionen Tonnen Ethylen pro Jahr.

Neben dem Steamcracker hat BASF am Standort weitere Produktionsanlagen in Betrieb genommen. Nach dem Start mehrerer Anlagen zur Herstellung von Propylen-Folgeprodukten laufen nun auch die petrochemischen Anlagen für Ethylenoxid, Ethylenglykol und Polyethylen. Diese Produkte bilden die Grundlage für Kunststoffe, Lösemittel und chemische Zwischenprodukte, die überwiegend an Kunden im chinesischen Markt geliefert werden.

Der chinesische Chemiemarkt ist mit einem Anteil von rund 50 Prozent am globalen Marktvolumen der größte der Welt. BASF rechnet damit, dass bis 2035 etwa 80 Prozent des weltweiten Wachstums in der Chemieindustrie auf die Region Asien-Pazifik entfallen werden. Im Jahr 2024 erzielte BASF in China rund 13 Prozent des Konzernumsatzes – gemessen am Marktpotenzial ein vergleichsweise geringer Anteil.

Nach Abschluss aller Bauphasen wird Zhanjiang mit einer geplanten Investition von bis zu zehn Milliarden Euro der weltweit drittgrößte Verbundstandort der BASF sein – nach Ludwigshafen und Antwerpen. Gleichzeitig soll der Standort als Referenz für nachhaltige Produktion dienen. Dies beinhaltet den Einsatz modernster digitaler Technologien (Industrie 4.0) und Kreislaufwirtschaftskonzepte. Der gesamte Verbund soll vollständig mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgt werden. Laut BASF werden dadurch die CO2-Emissionen um bis zu 60 Prozent gegenüber einem konventionellen petrochemischen Standort gesenkt.

320°/dpa/re

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