Sperrmüllanalyse
Edgital hat sich mit der KI-gestützten Analyse von Straßenzuständen einen Namen gemacht. Nun weitet die Hochtief-Tochter ihr Geschäftsfeld auf die Abfallwirtschaft aus. Partner ist die Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN).
Digitalisierung der Abfallwirtschaft: Edgital kooperiert mit EGN
Die Hochtief-Tochter Edgital weitet ihr Geschäftsfeld auf die Abfallwirtschaft aus. Gemeinsam mit der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN) will das Unternehmen digitale Lösungen entwickeln, mit denen sich operative Prozesse bei Kommunen und Entsorgungsunternehmen strukturiert erfassen und auswerten lassen. Den Anfang macht die Analyse der Zusammensetzung und der Mengen von Sperrmüll.
Edgital, ein 2020 gegründetes Spin-off des Baukonzerns Hochtief, hat sich bislang auf das kommunale Straßen- und Infrastrukturmanagement spezialisiert. Das Unternehmen bietet unter anderem eine KI-gestützte Zustandsbewertung von Straßenoberflächen an. Diese Erfahrungen aus der strukturierten Datenerhebung und der Unterstützung von Planungsentscheidungen sollen nun auf die Anforderungen der Entsorgungswirtschaft übertragen werden.
Sperrmüll als Pilotprojekt
Der Einstieg in die Zusammenarbeit erfolgt über die Erfassung und Auswertung von Sperrmüllmengen. Die gewonnenen Daten sollen die Planung, Steuerung und Ressourcenallokation bei Entsorgungsunternehmen verbessern. Die Partner planen, die Erkenntnisse perspektivisch auf weitere Anwendungsfälle in der Abfallwirtschaft auszuweiten.
Mit dem Projekt soll unter anderem eine Datengrundlage für operative Entscheidungen aufgebaut werden. Kern des Vorhabens ist der Einsatz modularer Edgital-Technologie, die Funktionen wie digitale Erfassung, KI-gestützte Auswertung und Planungsunterstützung umfasst. Diese sollen an die spezifischen Anforderungen der Entsorgungspraxis angepasst werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vereinfachung von Prozessen. Strukturierte Workflows und automatisierte Dokumentation mit objektiven, aktuellen Daten sollen bislang manuelle und aufwendige Abläufe ersetzen.
Der Digitalisierungsstand in der kommunalen Abfallwirtschaft ist uneinheitlich. Während viele Verwaltungsaufgaben wie Gebührenabrechnung bereits weitgehend digitalisiert sind, bleiben Sammlung und Transport von Abfällen vergleichsweise wenig durchdrungen von digitalen Lösungen. Digitale Lösungen wie Füllstandssensoren oder dynamische Routenoptimierung sind zwar technisch verfügbar, werden aber noch nicht flächendeckend eingesetzt. Ein Bericht des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) aus dem Jahr 2023 identifizierte in diesem Bereich erhebliche Potenziale für Effizienzgewinne und die Stärkung der Kreislaufwirtschaft.
In den kommenden Monaten wollen Edgital und EGN gemeinsam ausgewählte digitale Ansätze und die dazugehörigen Datenstrukturen ausgestalten. Die Entwicklung soll sich dabei an den konkreten Anforderungen des Arbeitsalltags in der Entsorgungswirtschaft orientieren.
Für Edgital ist die Partnerschaft ein strategischer Schritt in einen neuen Markt. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen bereits Innovationspartnerschaften mit mehreren Kommunen geschlossen, darunter die Stadt Herne für digitales Straßenmanagement. Der Einstieg in die Abfallwirtschaft erweitert das Geschäftsfeld über das bisherige Kerngeschäft der Infrastrukturzustandserfassung hinaus.
Die Kreislaufwirtschaft steht allgemein vor einem wachsenden Digitalisierungsdruck. Ein Entsorgungsauftrag kann bis zu 60 Prozessschritte enthalten, die koordiniert werden müssen. Ohne die digitale Vernetzung aller Beteiligten – von Kommunen über Sammler bis zu Verwertern – lassen sich komplexe Stoffströme nur eingeschränkt steuern und optimieren.




