Joint Venture

Im Sommer soll der Spatenstich für eine neue Gipsrecyclinganlage in Neuhof an der Zenn erfolgen. Der Baustoffhersteller Knauf will dort gipsbasierte Materialien aus dem Rückbau aufbereiten. Das Unternehmen plant ein Joint Venture.

Knauf plant Gipsrecyclinganlage in Mittelfranken


Der Baustoffhersteller Knauf will im mittelfränkischen Neuhof an der Zenn eine Recyclinganlage für Gips errichten. Der Gemeinderat der Kommune stimmte dem Vorhaben am Montag zu. Der Spatenstich ist für den Sommer geplant, die Inbetriebnahme für Anfang 2027.

Wie das Unternehmen mitteilt, soll das Projekt gemeinsam mit der BSR Ingolstadt umgesetzt werden, einem Spezialisten für Boden- und Baustoffrecycling. Die Anlage soll gipsbasierte Materialien aus Rückbau- und Sanierungsmaßnahmen so aufbereiten, dass sie wieder als hochwertiger Rohstoff für die industrielle Weiterverarbeitung genutzt werden können.

Konkret soll der gewonnene Recyclinggips an die rund 50 Kilometer entfernten Produktionsstandorte der Knauf-Gruppe geliefert und dort in der Produktion von Gipskartonplatten eingesetzt werden. Zur geplanten Kapazität machte das Unternehmen nur vage Angaben. Jährlich soll recycelter Gips im zweistelligen Kilotonnenbereich produziert werden. Die Zahl der Arbeitsplätze wird zunächst im einstelligen Bereich liegen.

Joint Venture mit BSR Ingolstadt

Die Arbeitsteilung im Joint Venture sieht vor, dass BSR die Anlage betreibt, während Knauf seine Erfahrung in der Verarbeitung von Recyclinggips einbringt und das aufbereitete Material in der eigenen Produktion weiterverwendet.

Hintergrund des Projekts ist eine Versorgungslücke, die sich nach Einschätzung der Gipsindustrie in den kommenden Jahren auftun wird. Der jährliche Gipsbedarf in Deutschland liegt bei rund zehn Millionen Tonnen. Der Großteil dieses Bedarfs wird über Naturgips und über REA-Gips gedeckt. Der Rest von geschätzten zehn bis zwölf Prozent entfällt auf Recycling. Mit dem im Kohleverstromungsbeendigungsgesetz festgelegten Ausstieg aus der Kohle fällt jedoch die Quelle REA-Gips schrittweise weg – und spätestens 2038 vollständig.

Die Baustoffindustrie und ihre Verbände betonen seit Jahren, dass weder Recycling noch alternative Rohstoffquellen die wegfallenden REA-Gips-Mengen vollständig ersetzen können. Knauf plant daher neben dem Ausbau der Recyclingkapazitäten auch die Erschließung neuer Naturgipsvorkommen. In der sogenannten Altertheimer Mulde im Landkreis Würzburg will Knauf ein neues Bergwerk zum Gipsabbau errichten. Das Genehmigungsverfahren beim Bergamt Nordbayern läuft derzeit.

Parallel zum bayerischen Projekt beteiligt sich Knauf an einer Gips-Recyclinganlage in Frankreich. In Auneuil, rund 70 Kilometer nördlich von Paris, entsteht derzeit die nach Angaben des Betreibers größte Gipsrecyclinganlage Europas. Ende der ersten Jahreshälfte soll sie in Betrieb gehen. Verantworten wird das Werk ein Joint Venture aus Knauf, dem Investor HL Développement und dem französischen Gipsrecyclingunternehmen Ritleng Revalorisations.

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